Narziss und Vollmund
In einem Interview hat Helmut Lachenmann vor Jahren einmal einen bemerkenswerten Satz gesagt: «Ich werde komponiert.» Abseits der Tatsache, dass dies semantisch wie real schwierig ist, da nur der Komponist Lachenmann in der Lage ist, Töne und Klänge, welcher Art auch immer sie sein mögen, zu erfinden, steckt in diesem Satz doch auch ein dickes Körnchen Wahrheit. Komponieren kann nur jemand, der dazu getrieben wird, wie auch eine Schriftstellerin nur schreiben und ein Maler nur malen kann, wenn sich ein wirklicher Ansporn regt.
Und genauso meinte Lachenmann das vermutlich auch: Der innere Wille muss groß sein, um das weiße Blatt Papier zu füllen – in der Hoffnung, etwas Kunstvolles möge dabei herauskommen.
Spätestens seit Mozart existiert der durch Immanuel Kants Begriffssetzung theoretisch untermauerte «Glaube», Komponisten seien Genies. Dass aber Komponieren in erster Linie ein Handwerk ist, wird gerne außer Acht gelassen. Allein deswegen ist das vorliegende Buch von Claus-Steffen Mahnkopf ein lohnenswertes Unterfangen – zumal der (philosophisch beschlagene) Autor nicht nur Professor für Komposition an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater und Herausgeber der ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Jürgen Otten
Vorschau
Slowenische Poesie
In seiner Heimat ist er ein Star. Und vielleicht auch bald in Deutschland, wo Vito Žuraj nach einem Studium in Ljubljana wichtige Impulse als Komponist erhielt und sein Wissen inzwischen selbst weitergibt. An der Oper Frankfurt erlebt nun Žurajs Musiktheater «Blühen» auf ein Libretto von Händl Klaus seine Uraufführung – ein Stück, das...
Die Szene kennt man so auch aus Barrie Koskys wegweisender Inszenierung von Wagners «Meistersingern» bei den Bayreuther Festspielen. Hermann Levi, der jüdische Uraufführungsdirigent des «Parsifal», wird vom Hofstaat des Komponisten gedemütigt: «Das Esszimmer der Wagners verzerrte sich in seinen Umrissen immer mehr und mehr zur bizarren Karikatur der Perspektiven...
Dass es in der Oper, dem «Kraftwerk der Gefühle» (Alexander Kluge), immer schon auch um soziale und ökonomische Verhältnisse ging, ist bekannt. Unter den fest im Repertoire verankerten Komponisten hat sich aber wohl keiner so sehr für wirklich prekäre Lebensverhältnisse interessiert wie Giacomo Puccini, auch wenn er sie – wie in «La Bohème» – gelegentlich...
