Narren in Tränen
Die Zahlen sind imponierend: 140 Tonnen schwer und 14 Meter hoch ist das Bühnenbild zu Verdis «Rigoletto» auf der Seebühne Bregenz. Acht Millionen Euro ließen sich die Festspiele am Bodensee diese Kulisse kosten – und erfüllten damit erneut die an sich selbst gestellte zentrale Forderung: Open-Air-Spektakel mit höchstem Schauwert anzubieten.
Drinnen im Festspielhaus gibt es wieder das selten gespielte Fundstück, diesmal Massenets «Don Quichotte» – eingerichtet als feministische Studie über Männer-Bilder
Entspräche das künstlerische Gewicht der neuen «Rigoletto»-Inszenierung bei den Bregenzer Festspielen dem zentralen Motiv des Bühnenbilds, einem beweglichen Clownskopf mit roter Stupsnase über dem zirzensischen Spielrund, dann müsste man nur in Superlativen von ihr sprechen: 140 Tonnen bringt die beinahe 14 Meter hohe Skulptur mit klimpernden Augen und gefräßig malmendem Kiefer samt Hydraulik und Hebekran auf die Waage. In der Liste der spektakulären Bühnenbilder der Seefestspiele setzt die Bühne von Philipp Stölzl und Heike Vollmer – zu der auch seitlich aus dem Wasser ragende bewegliche Riesenhände der Titelfigur gehören, denn der Maskenkopf ist der des Narren Rigoletto – eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Götz Thieme
Als «Festival zur Förderung junger Sänger» hat Siegfried Matthus 1990 die Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet. Ins idyllische Ruppiner Land, wo einst der Preußenprinz Friedrich seine schönsten Jahre verlebte und sein Bruder Heinrich später einen Musenhof etablierte, kommen die Nachwuchssolisten nicht zum Geldverdienen, sondern um Praxiserfahrungen zu sammeln....
Der Titel gibt die Richtung vor: «Schrei und Utopie» ist der im Wolke Verlag erschienene Band überschrieben, der – pünktlich zu dessen 80. Geburtstag – Essays von Nicolas Schalz aus den vergangenen 40 Jahren bündelt. In seiner Kontrastbildung verweist dieser Titel auf den dialektischen Grundansatz, dem das Denken des emeritierten Professors der Hochschule für...
Warum verwendete Händel nicht den Librettotitel «Ginevra», warum nannte er das Stück nicht wenigstens «Ariodante ed Ginevra»? Weil er ein Macho war? Wohl kaum, tragen doch zehn seiner gut 40 Opern den Namen einer Heldin, darunter meisterliche Schöpfungen wie «Agrippina» und «Alcina». Es lag zweifellos an der historischen Divergenz von Lebensläufen; hätte er Roberta...
