Der Duft von Flieder

Die französische Kontraltistin Delphine Galou brilliert an der Seite der Accademia Bizantina in Solo-Motetten, Kantaten und Arien von Antonio Vivaldi

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Kein Zweifel, diese Dame ist von Zorn durchglüht. Außer sich. Erregt. Schon der Beginn der Szene zeigt sie in Rage, die Töne poltern nur so durch den imaginären Raum. Und dies nicht ohne Grund. Die Enttäuschung über eine tyrannische Liebe hält die Unglückselige gefangen, und nichts, aber auch gar nichts kann sie gegen die grausamen Erinnerungen ausrichten, die sich ihrer bemächtigt haben.

Und eben diese Qualen sind es, die sie nun, begleitet von zwei Violinen, einer Bratsche und Basso Continuo, in einem dreiteiligen Stück mit zwei Rezitativen und einer pathosgeladenen Arie («Ah, ch’ infelice sempre») mit Verve und veritabler Wu(ch)t in die Welt schleudert.

Vermutlich in den Jahren 1734/35 komponierte Antonio Vivaldi sein Opus «Cessate, omai cessate». Und zeigte wieder einmal, wie irrig die (lange verbreitete) Annahme ist, sein Œuvre sei stilistischen Beschränkungen unterworfen. Allein die Vielfalt der kompositorischen Mittel in dieser tragischen Kantate bekundet dies. Während das einleitende Rezitativ den französischen Stil imitiert, ist die zentral verankerte Arie als ein kan­tables Arioso angelegt; das am Ende stehende Rezitativ wiederum kleidet sich in die Form einer äußerst ...

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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Jürgen Otten

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