Der Duft von Flieder
Kein Zweifel, diese Dame ist von Zorn durchglüht. Außer sich. Erregt. Schon der Beginn der Szene zeigt sie in Rage, die Töne poltern nur so durch den imaginären Raum. Und dies nicht ohne Grund. Die Enttäuschung über eine tyrannische Liebe hält die Unglückselige gefangen, und nichts, aber auch gar nichts kann sie gegen die grausamen Erinnerungen ausrichten, die sich ihrer bemächtigt haben.
Und eben diese Qualen sind es, die sie nun, begleitet von zwei Violinen, einer Bratsche und Basso Continuo, in einem dreiteiligen Stück mit zwei Rezitativen und einer pathosgeladenen Arie («Ah, ch’ infelice sempre») mit Verve und veritabler Wu(ch)t in die Welt schleudert.
Vermutlich in den Jahren 1734/35 komponierte Antonio Vivaldi sein Opus «Cessate, omai cessate». Und zeigte wieder einmal, wie irrig die (lange verbreitete) Annahme ist, sein Œuvre sei stilistischen Beschränkungen unterworfen. Allein die Vielfalt der kompositorischen Mittel in dieser tragischen Kantate bekundet dies. Während das einleitende Rezitativ den französischen Stil imitiert, ist die zentral verankerte Arie als ein kantables Arioso angelegt; das am Ende stehende Rezitativ wiederum kleidet sich in die Form einer äußerst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Jürgen Otten
Zoff bei Oberons. Der Elfenkönig liegt im Streit mit seinem Ehegespons Titania, es geht um die menschliche Treue. Diese rechtfertigen müssen daher der Ritter Hüon von Bordeaux und Rezia, die Tochter des Kalifen zu Bagdad, allerlei Wundersames und auch schwer Erträgliches durchstehen, ehe sie einander in die Arme fallen dürfen. So weit die Handlung von Webers...
Mit interdisziplinären Projekten des Musiktheaters hat Berthold Schneider, seit 2016 Intendant der Wuppertaler Oper, jede Menge Erfahrung. Schon am Anfang seines Weges durch diverse Häuser (Hamburg, Mannheim, Saarbrücken, London/ ENO, Darmstadt u. a.) experimentierte er mit neuen Formaten. In der ehemaligen Staatsbank am Berliner Gendarmenmarkt etwa inszenierte er...
Giuseppe Verdis «Ernani» ist eine äußerst krude Geschichte um Liebe, Verrat, Verschwörung und Rache, deren geringe Plausibilität eine größere Verbreitung verhindert hat. Dabei besitzt Verdis fünfte Oper musikalisch schon fast alles, was die späteren Werke auszeichnet: herrliche Melodien, eine raffinierte Instrumentierung und eine schon recht differenzierte...
