Der Duft von Flieder
Kein Zweifel, diese Dame ist von Zorn durchglüht. Außer sich. Erregt. Schon der Beginn der Szene zeigt sie in Rage, die Töne poltern nur so durch den imaginären Raum. Und dies nicht ohne Grund. Die Enttäuschung über eine tyrannische Liebe hält die Unglückselige gefangen, und nichts, aber auch gar nichts kann sie gegen die grausamen Erinnerungen ausrichten, die sich ihrer bemächtigt haben.
Und eben diese Qualen sind es, die sie nun, begleitet von zwei Violinen, einer Bratsche und Basso Continuo, in einem dreiteiligen Stück mit zwei Rezitativen und einer pathosgeladenen Arie («Ah, ch’ infelice sempre») mit Verve und veritabler Wu(ch)t in die Welt schleudert.
Vermutlich in den Jahren 1734/35 komponierte Antonio Vivaldi sein Opus «Cessate, omai cessate». Und zeigte wieder einmal, wie irrig die (lange verbreitete) Annahme ist, sein Œuvre sei stilistischen Beschränkungen unterworfen. Allein die Vielfalt der kompositorischen Mittel in dieser tragischen Kantate bekundet dies. Während das einleitende Rezitativ den französischen Stil imitiert, ist die zentral verankerte Arie als ein kantables Arioso angelegt; das am Ende stehende Rezitativ wiederum kleidet sich in die Form einer äußerst ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Jürgen Otten
arte
01.09. – 17.35 Uhr
Konzert am Mailänder Domplatz 2019
Werke von Dvořák und Rota
ML: Chailly
07.09. – 19.30 Uhr
Das Wunder von Nairobi
Inmitten des gefährlichsten Slums von Nairobi wurde vor zehn Jahren ein klassisches Jugendorchester gegründet. Bis dahin hatte kaum jemand in Korogocho eine Geige oder ein Cello gesehen. Heute erklingen nahe der Mülldeponie Sonaten...
Ein Sommerabend in Rom. Sonnenstrahlen scheinen auf antike Ruinen, Überziehen die Terrakottatöne mit Bronzeglanz. Alles duftet noch nach der Hitze des Tages, die jetzt heftig aus den Steinen emporsteigt, einen Augenblick über der Erde verweilt, massig und schwer, bevor der Wind sie in den Himmel trägt. In den Pinien und Zypressen singen die Zikaden, über ihnen...
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar...
