Nachhaltig!
Auf den Plakaten zur Göteborger «Götterdämmerung» prangt nicht etwa Richard Wagners deutscher Titel des dritten und letzten Tages seiner Tetralogie. Vielmehr steht da in großen Lettern «Ragnarök» geschrieben. Jüngeren Besuchern fällt dazu die gleichnamige dänisch-norwegische Fantasy-Serie ein, die nordischen Mythos und aktuelle Umweltzerstörung kurzschließt. Für alle anderen ist das Epos vom endzeitlichen Kampf der Götter und Riesen, der in einem die Welt verzehrenden Brand mündet, tief im kollektiven Gedächtnis gespeichert.
Ebenso bewusst ist den Nordländern, dass die Ragnarök zwar vom Untergang der alten Ordnung erzählt, im letzten Kapitel indes dezidiert vom Aufgang einer neuen Welt kündet. Chaos und Ordnung finden darin zu einer höheren Harmonie.
Auch Wagner setzt in der musikalisch vermittelten mystischen Hochzeit von Brünnhilde und Siegfried sowie dem Aufscheinen des Erlösungsmotivs in den letzten Takten der «Götterdämmerung» vernehmliche Zeichen der Hoffnung. Vielen Regisseuren ist so viel utopischer Vorschein, auf den Ernst Bloch mit Blick auf Wagner hinwies, heute nur noch sehr bedingt geheuer. So lässt just der Norweger Stefan Herheim den Restmüll seiner Berliner ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Peter Krause
Als Gustavo Dudamel im April 2021 zum neuen musikalischen Leiter der Opéra national de Paris ernannt wurde, verwiesen manche verwundert auf das schmale Opernrepertoire des amtierenden Chefdirigenten des Los Angeles Philharmonic. Dieses besteht vor allem aus Hauptwerken von Mozart, Verdi und Puccini, zuzüglich «Fidelio», «L’elisir d’amore», «Tannhäuser», «Carmen»,...
Von Orpheus wissen wir das. Singen besänftigt. Es zähmt wilde Tiere. Und ist nicht selten Balsam auf verwundeten Seelen. Manchmal ist es aber auch «nur» die pure Leidenschaft, die blüht wie ein riesiger Kirschblütenbaum. Bei der Mutter von George Alexander Albrecht war das der Fall. Singen war für sie die große Liebe, eine Art Lebenselixier. Mit dem Gesang ließ...
Seien wir ehrlich: Das Stück war uns unbekannt. Und auch sein Schöpfer, der portugiesische Barockmeister Francisco António de Almeida, 1702 geboren und vermutlich beim Erdbeben von Lissabon anno 1755 zu Tode gekommen, kaum vertraut. Aber was ist das für eine Musik! Göttlich ist sie, würde- und seelenvoll, erhaben – und von einer Schönheit, die überirdisch zu nennen...
