Mythos und Simulation
Die Nornen sind zwar, wie üblich, grau und grämlich, doch tragen sie Schleier und andeutungsweise orientalische Gewänder, auch sind ihrer mehr als nur drei. In einem düsteren Keller voller altmodischer Röhrenbildschirme, auf denen Kolonnen von Buchstaben und Zahlen flimmern, operieren sie nicht mit einem Seil, sondern den Kabeln eines Computer-Servers. Am Ende steht der Kurzschluss, die Bildschirme verlöschen. In der Oberwelt, der «Halle der Gibichungen», dominieren zahllose Flach- und Großbildschirme, die den Zuschauer mit der Bilderflut des Informationszeitalters bombardieren.
Für Siegfried sehr interessant, denn er ist – das hat man im ersten Akt «Siegfried» gesehen – als sozial verwahrlostes Computerkid aufgewachsen. Siegfried stürzt sich in die virtuellen Welten – seine Beziehung zu Gutrune findet nur als Begegnung zweier Avatare in «Second Life» statt. Brünnhilde hingegen ist vollkommen analog: Am Anfang sieht man sie, wie sie mit Siegfried das berühmte Bed-In von John Lennon und Yoko Ono, 1969 im Amsterdamer Hilton Hotel, nachstellt. Was aus diesem harmlosen Flirt mit dem Medienzeitalter dann später wird, nämlich ein allmächtiger Verblendungszusammenhang, kann ihr nicht ...
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Arme Donna Leonora di Vargas: Ungeheuerlich die Macht des Schicksals, die an ihrer Seele frisst. Vom kleinen «h» hinauf bis zum zweigestrichenen «H» reicht das Leidpotenzial, das Verdi der weiblichen Hauptfigur seines Melodramma «La forza del destino» in die Partitur hineingeschrieben hat. Was die Angelegenheit verkompliziert, ist die Tatsache, dass sich innerhalb...
Seien wir ehrlich: Dies Werk zu (be-) greifen, ist schlichtweg ein Akt des Unmöglichen. Zu mäandernd fließt der Strom der Gedanken, zu üppig gestaltet sich die Ausschweifung des Geistes, und vor allem: Zu (entstehungs)zeitimmanent ist vieles, um es heute noch ins rechte Licht der Erkenntnis rücken zu können. Selbst ausgewiesene Kenner der Materie raten deshalb zu...
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen...
