Mythos und Simulation

Antwerpen/Gent, Wagner: Götterdämmerung

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Die Nornen sind zwar, wie üblich, grau und grämlich, doch tragen sie Schleier und andeutungsweise orientalische Gewänder, auch sind ihrer mehr als nur drei. In  einem düsteren Keller voller altmodischer Röhrenbildschirme, auf denen Kolonnen von Buchstaben und Zahlen flimmern, operieren sie nicht mit einem Seil, sondern den Kabeln eines Computer-Servers. Am Ende steht der Kurzschluss, die Bildschirme verlöschen. In der Oberwelt, der «Halle der Gibichungen», dominieren zahllose Flach- und Großbildschirme, die den Zuschauer mit der Bilderflut des Informationszeitalters bombardieren.


Für Siegfried sehr interessant, denn er ist – das hat man im ersten Akt «Siegfried» gesehen – als sozial ver­wahrlostes Computerkid aufgewachsen. Siegfried stürzt sich in die virtuellen Welten – seine Beziehung zu Gutrune findet nur als Begegnung zweier Avatare in «Second Life» statt. Brünnhilde hingegen ist vollkommen analog: Am Anfang sieht man sie, wie sie mit Siegfried das berühmte Bed-In von John Lennon und Yoko Ono, 1969 im Amsterdamer Hilton Hotel, nachstellt. Was aus diesem harmlosen Flirt mit dem Medienzeitalter dann später wird, nämlich ein allmächtiger Verblendungszusammenhang, kann ihr nicht ...

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Opernwelt August 2008
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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