Mythos und Simulation
Die Nornen sind zwar, wie üblich, grau und grämlich, doch tragen sie Schleier und andeutungsweise orientalische Gewänder, auch sind ihrer mehr als nur drei. In einem düsteren Keller voller altmodischer Röhrenbildschirme, auf denen Kolonnen von Buchstaben und Zahlen flimmern, operieren sie nicht mit einem Seil, sondern den Kabeln eines Computer-Servers. Am Ende steht der Kurzschluss, die Bildschirme verlöschen. In der Oberwelt, der «Halle der Gibichungen», dominieren zahllose Flach- und Großbildschirme, die den Zuschauer mit der Bilderflut des Informationszeitalters bombardieren.
Für Siegfried sehr interessant, denn er ist – das hat man im ersten Akt «Siegfried» gesehen – als sozial verwahrlostes Computerkid aufgewachsen. Siegfried stürzt sich in die virtuellen Welten – seine Beziehung zu Gutrune findet nur als Begegnung zweier Avatare in «Second Life» statt. Brünnhilde hingegen ist vollkommen analog: Am Anfang sieht man sie, wie sie mit Siegfried das berühmte Bed-In von John Lennon und Yoko Ono, 1969 im Amsterdamer Hilton Hotel, nachstellt. Was aus diesem harmlosen Flirt mit dem Medienzeitalter dann später wird, nämlich ein allmächtiger Verblendungszusammenhang, kann ihr nicht ...
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Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die...
Ein Werk gewinnt an Popularität: Kurz nach Berlin (siehe OW 7/2008) brachten auch die Hallenser HändelFestspiele den mit ausführlichen Szenenanweisungen und der entsprechenden «szenisch sprechenden» Musik versehenen «Belshazzar» (1744) auf die Bühne. Mit gutem Grund: Das «Oratorium» hat alles, was eine gute Oper braucht, außer dem Namen. Und den enthielten ihm die...
«Schlag nach bei Shakespeare», trällern die beiden Ganoven in Cole Porters Broadway-Genie-Streich von 1948. Das Ziel, von der renitenten Schauspielerin Lilli Vanessi alias Katharina die Spielschulden ihres (natürlich immer noch geliebten) Verflossenen Fred Graham alias Petruchio einzutreiben, haben sie zwar nicht erreicht. Und auch der in flotter...
