Mythos Neu-Bayreuth

Kontinuitäten statt Brüche: Ein Essayband nimmt die künstlerische Biografie Wieland Wagners kritisch unter die Lupe

Opernwelt - Logo

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Wieland Wagner fand 2017 im Rahmen der Bayreuther Festspiele ein Symposion statt, das Person, Werk und Wirkung des Wagner-Enkels sowie den wesentlich von ihm mitgeprägten Mythos «Neu-Bayreuth» neu und kritisch beleuchten konnte, weil seit 2016 sein persönlicher Nachlass sowie die Dokumente zu seinen Bayreuther Inszenierungen für die Forschung zugänglich sind – Quellen, aus denen die Autoren des von Stephan Mösch und Sven Friedrich herausgegebenen Bandes schöpfen.


Das gilt vor allem für den einleitenden Essay Friedrichs, der Person und Werk Wieland Wagners ins familien- wie zeitgeschichtliche Umfeld stellt. Dass auch in Bayreuth 1945 keine «Stunde Null», kein wirklicher Bruch mit der nazistischen Vergangenheit stattfand, ist zwar keine neue Erkenntnis, wird aber von Friedrich eindrucksvoll untermauert. Nicht nur die Festspiele als bereitwilliges Instrument der NS-Propaganda, auch der auf persönliche Anordnung Hitlers vom Kriegsdienst freigestellte Thronfolger Wieland waren kontaminiert. Ein gespenstisches Foto zeigt, wie Hitler im Garten von Wahnfried Wielands Rücken gleichsam als Zeichenunterlage benutzt. Seine Verstrickung in die NS-Diktatur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 51
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Früchte des Zorns

Die Idee ist bezwingend charmant und poetisch. Ein «organisierter Traum» sollen die Salzburger Festspiele nach dem Willen ihres Intendanten Markus Hinterhäuser sein, und ebenso eine «Education sentimentale» aus dem Geiste Flauberts. Ein hoher Anspruch, der sich im Grunde nur dialektisch lösen lässt im Angesicht der in diesem Jahr programmierten Bühnenwerke. Vieles...

Feuerwerk und Faltenwurf

Seit 1975 macht das Festival della Valle d’Itria in der süditalienischen Kleinstadt Martina Franca mit Unbekanntem, Ausgrabungen und ungewöhnlichen Fassungen geläufiger Werke von sich reden. Während das Publikum gerade den Spezialitäten-Zuschnitt des Programms schätzt – selbst aus Asien reisen immer mehr Besucher an –, ist die ideelle wie finanzielle Unterstützung...

Klassenkampf light

Als «Festival zur Förderung junger Sänger» hat Siegfried Matthus 1990 die Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet. Ins idyllische Ruppiner Land, wo einst der Preußenprinz Friedrich seine schönsten Jahre verlebte und sein Bruder Heinrich später einen Musenhof eta­blierte, kommen die Nachwuchssolisten nicht zum Geldverdienen, sondern um Praxiserfahrungen zu sammeln....