Erstklassig gecastet
Warum verwendete Händel nicht den Librettotitel «Ginevra», warum nannte er das Stück nicht wenigstens «Ariodante ed Ginevra»? Weil er ein Macho war? Wohl kaum, tragen doch zehn seiner gut 40 Opern den Namen einer Heldin, darunter meisterliche Schöpfungen wie «Agrippina» und «Alcina». Es lag zweifellos an der historischen Divergenz von Lebensläufen; hätte er Roberta Mameli hören dürfen, die Titelgeschichte wäre anders gelaufen.
Denn in Drottningholms Schlosstheater macht die italienische Sopranistin jetzt Ginevra zur Hauptfigur, was dramaturgisch ohnehin der Fall ist, sängerisch aber keineswegs selbstverständlich, wenn eine Ann Hallenberg dem Ariodante ihren distinguierten, mit berückenden Valeurs ausgestatteten Mezzo leiht. Daneben behauptet sich nicht nur Mamelis ebenso durchdringendes wie leicht herbstlich getöntes Timbre, sie triumphiert geradezu in schauspielerischer Hinsicht und sorgt derart für das schwedische Sommerereignis des Jahres.
Überhaupt hat das älteste Barocktheater des Landes – Confidencen im Park von Ulriksdal ist noch älter, aber nicht originalgetreu erhalten – wieder erstklassig gecastet. Francesca Aspromonte gibt eine elegante, in jeder Lage mühelos ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Volker Tarnow
WAGNERSPECTRUM
Heft 1/2019 (15. Jahrgang) – Schwerpunkt: Siegfried Wagner
Königshausen & Neumann, Würzburg 2019; 352 Seiten, 24 Euro
Zum 150. Geburtstag Siegfried Wagners gratulierte Bayreuth mit zwei Aufführungen seiner Oper «An allem ist Hütchen schuld» (im Markgräflichen Opernhaus) sowie mit der Uraufführung «Siegfried» von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel (in...
Die Idee ist bezwingend charmant und poetisch. Ein «organisierter Traum» sollen die Salzburger Festspiele nach dem Willen ihres Intendanten Markus Hinterhäuser sein, und ebenso eine «Education sentimentale» aus dem Geiste Flauberts. Ein hoher Anspruch, der sich im Grunde nur dialektisch lösen lässt im Angesicht der in diesem Jahr programmierten Bühnenwerke. Vieles...
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar...
