Mythos – demaskiert
Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.
David McVicar gelangt an der Straßburger Rheinoper zu einer überzeugenden, ja vielleicht der überzeugendsten Lösung der vergangenen Jahre.
Nachdem die – visuell einnehmenden – Flammen des Weltenbrands in viel Bühnenqualm erstickt sind und sich eine dunkle Zwischenwand vor das Geschehen schiebt, tänzelt ein halbnackter Mann mit Goldmaske auf die Bühne. Begleitet von den Hoffnung suggerierenden Klängen des sogenannten «Erlösungsthemas» wird er diese Maske in einem Lichtkegel ablegen und sich mit expressiver Gestik zu den Schlussakkorden zurückziehen. Ein doppelbödiger Schluss. Denn der Aussage, dass das Schauspiel des Lebens zu Ende ist, steht eine andere, kontroverse und viel wichtigere gegenüber: Es kann weitergehen, aber nur dann, wenn wir unsere Masken ablegen, wenn wir unser Ich nicht weiter hinter einem künstlichen Gesicht verbergen. Der Mythos ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexander Dick
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz,...
Über ihre darstellerische Identifikation mit der Rolle lässt sich nichts sagen. Wohl aber etwas über ihre sängerische. Anja Harteros gab ihr Rollendebüt als Leonora in Verdis «Trovatore», steckte aber nicht im Kostüm. Denn die Kölner Oper hat das Werk konzertant angesetzt, nicht im Stammhaus, sondern in der nahe gelegenen Philharmonie, die rechtzeitig als eine von...
Rückblende: Als Kirsten Harms im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin Alberto Franchettis 1902 uraufgeführte und nach einigen Jahren vergessene Revolutionsoper «Germania» wieder auf die Bühne brachte, fiel das kritische Urteil in der Tagespresse vernichtend aus. Zu den wenigen Stimmen, die damals widersprachen, gehörte diese Zeitschrift (siehe OW 12/2006) –...
