Glut und Grazie
Über ihre darstellerische Identifikation mit der Rolle lässt sich nichts sagen. Wohl aber etwas über ihre sängerische. Anja Harteros gab ihr Rollendebüt als Leonora in Verdis «Trovatore», steckte aber nicht im Kostüm. Denn die Kölner Oper hat das Werk konzertant angesetzt, nicht im Stammhaus, sondern in der nahe gelegenen Philharmonie, die rechtzeitig als eine von mehreren Interimslösungen von der Intendanz auserkoren worden war.
Wenigstens für Stunden war damit die kommunale tour d’erreur vergessen.
Dass man sich in der Domstadt, von politischer Seite, heftig rangelt und blamiert, ist ja nichts Neues. Diesmal geht es um die Suche nach dem besten von mehreren mäßigen Ausweichquartieren für die kommenden Spielzeiten. Man wird sich festlegen müssen, so oder so. Bleibt nur zu hoffen, dass man mit der Entscheidung nicht den Intendanten und den GMD im pas de deux vergrault.
Die erste von drei «Troubadour»-Aufführungen wurde laut bejubelt. Das lag vor allem an den beiden Protagonistinnen, da die männlichen Kollegen auf Mittelmaß verharrten. Während sich Mirco Palazzi als Ferrando achtbar schlug, kämpfte Kiril Manolov als Graf Luna mit den oberen Tonbereichen und der Kunst der Kantilene – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Christoph Vratz
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....
Oldenburgs Theater ist für eine Spielzeit aus der Innenstadt gezogen. Nach draußen, aufs freie Land. Dort, in einem seit Jahren stillgelegten Fliegerhorst, hat man eine ehemalige Flugzeugwartungshalle für ein hübsches Sümmchen umgebaut, sie sozusagen entmilitarisiert und theatralisiert, ihr dabei unter anderem eine Zuschauertribüne, einen Orchestergraben und eine...
«Man kann sich selbst nicht sehen…, Geschichten gibt es nur von außen…, daher unsere Gier nach Geschichten!» – Sätze aus Max Frischs Roman «Mein Name sei Gantenbein», die der Regisseur Lorenzo Fioroni ins Programmheft seiner Osnabrücker Inszenierung von Jacques Offenbachs fantastischer Oper «Les Contes d’Hoffmann» setzen ließ (Premiere am 15. Januar 2011). Was dort...
