Mut zum Moment

Bayreuth ist ohne ihn kaum mehr denkbar: Im vergangenen Sommer war er dort Marke, Hunding, Heinrich und Daland. Doch die Sangeskünste von Georg Zeppenfeld reichen weiter. Auch als Verdi- und Bellini-Bass zeigt er sein enormes Können. Ein Gespräch über Bühnentiere, das dämonische Potenzial einer Stimme und die Frage, wie man junges Publikum in die Oper lockt

Opernwelt - Logo

Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfilling prophecy: Wenn man den Sänger dort nicht üben lässt, lernt er es auch nicht.

In meiner Anfängerzeit habe ich dem damaligen Operndirektor gesagt: «Wenn Sie wollen, dass ich mit 50 den Filippo II. in Verdis ‹Don Carlo› singe, dann sollten Sie mich mit 35 üben lassen.» Mögen alle noch so gutwillig sein – man landet leicht in der Schublade. Was aus Sicht der Verantwortlichen sogar verständlich ist: Wer eine deutsche Rolle besetzen will, schaut zunächst in den Pool der Muttersprachler. Als Gerd Uecker Intendant in Dresden war, hatte ich das Glück, dass ich fast in jeder Verdi-Premiere dabei war. 

Es heißt, der Liedgesang putze die Stimme. Gibt es im italienischen Fach Ähnliches, wenn man das raumgreifende Legato mit dem eher Kleinteiligen bei Wagner vergleicht?
Auf jeden Fall. Ich wundere mich immer, wie wenig das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Interview, Seite 54
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Belcanto in der Manege

Manchmal muss man improvisieren. Wegen eines Wasserschadens im Dezember 2022 ist die Bühne im Pfalztheater Kaiserlautern nach wie vor nicht bespielbar. Für die Produktion von Donizettis «L’elisir d’amore» musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Die mehrfach verschobene Premiere fand nun in einem Zirkuszelt neben dem Kaiserslauterer Warmfreibad statt. Belcanto...

Ideale Synthese

Ein Libretto für eine Symphonie! – ein Orchester, das eine Oper darstellt!» Mit Enthusiasmus für das scheinbar Unmögliche begrüßt Berlioz’ Librettist Émile Deschamps, der zuvor am Libretto von Meyerbeers «Hugenotten» mitgewirkt hatte, die Idee einer Symphonie dramatique mit Gesangssolisten und Chören. «Roméo et Juliette» wird, nach dem Misserfolg des «Benvenuto...

Ach ja, die Liebe!

Von Venedig nach Neapel: Nach Cavallis «La Calisto» zeigt das Teatro alla Scala nun «Li zite ’ngalera» (Die Verlobten auf der Galeere) von Leonardo Vinci und fügt seiner Auseinandersetzung mit dem Barockmusiktheater ein Stück hinzu, das bisher im Mailänder Spielplan fehlte. Bei Vincis Oper handelt es sich um eine Commedia per musica – die erste, deren Manuskript...