Musicien français
In einem von der Materialästhetik getränkten Komponistenporträt aus den 1980er-Jahren heißt es lapidar: «Nein, Claude Debussy war kein Impressionist.» Eine Beurteilung, die im Gefolge der Serialisten einseitig den Ästheten der clarté und der mathématiques musicales hervorhob. Im Umkreis von Pierre Boulez wurde Debussy so gesehen, besonders mit spröd-konstruktivistischen späten Orchesterstücken wie «Jeux» und (dem nicht mehr von ihm selbst orchestrierten) «Khamma».
Die «impressionistische» Gegenposition nimmt am luzidesten das «Prélude à l’après-midi d’un faune» ein, ein zweifellos malerisch-atmosphärisch inspiriertes Stück von suggestiver Stimmungshaftigkeit. Doch in den meisten Kompositionen Debussys scheint gerade der Doppelcharakter von Ausdruck und Intonation bestimmend: die unauflösbare Verbindung von Sensualismus und kompositorischer Rationalität. Hell und dunkel in ihrem changierenden Neben- und Ineinander. Das Augenblicks-hafte der scheinbar unverbundenen Klangpointillismen und der sicher planende Zugriff des ingenieurhaft operierenden Kompositionstechnikers.
Das gilt auch für den Vokalkomponisten. Richard Strauss (einer Generation zugehörig, die noch ganz in Kategorien ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Hans-Klaus Jungheinrich
Schaut man auf die Zahlen, die uns zum Thema «Besucherentwicklung» regelmäßig aus den Presseabteilungen bundesdeutscher Theater erreichen, scheint die Welt in bester Ordnung. Häufig werden da Rekordbilanzen präsentiert. Der Tenor beinahe aller für die Öffentlichkeit bestimmten Statistiken: Das Interesse ist enorm, Auslastung und Erlöse steigen.
Sieht man sich in...
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Unweit des Tiefurter Schlosses steht es, weithin unbeachtet. Ein Denkmal für Wolfgang Amadé Mozart, errichtet vom Schweizer Johann Heinrich Meyer. Im eigentlichen Sinne aber ist es kein Denkmal, weil es denjenigen, dem es huldigen will, gar nicht zeigt. Auf dem Sockel, den die Inschrift «Mozart und den Musen» ziert, sieht man lediglich eine Lyra, Symbol für Apollon...
