Mozart kann warten

Er ist erst 31 Jahre alt und schon ganz oben: Bei der Premiere des neuen ­Bayreuther «Lohengrin» wird Andris Nelsons im Graben des Festspielhauses stehen. Für den Letten ist der Auftritt der Abschluss einer Saison, in der der Chef­dirigent des City of Birmingham Symphony Orchestra unter anderem seine Debüts an der Metropolitan Opera und an Covent Garden gab. Jörg Königsdorf sprach mit ihm über seine Opernerfahrungen und seinen Weg zu Wagner.

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Jörg KönigsdorfHerr Nelsons, natürlich wollen jetzt alle mit Ihnen über Wagner reden. Aber wir fangen lieber mit Puccini an – dem Komponisten, dessen Opern Sie in dieser Spielzeit fast ausschließlich dirigiert haben. «Turandot» an der Met, «Bohème» an Covent Garden, «Tosca» und «Butterfly» an der Wiener Staatsoper. Sind solche Konzentrationen typisch für Sie?
Andris Nelsons Das hat sich eher zufällig so ergeben. Aber Puccini war neben Wagner und jetzt auch Richard Strauss immer meine große Liebe.



JKSind Puccini und Wagner für Sie in gewisser Weise ähnlich, oder liegt der Reiz mehr in der Abwechslung?
NelsonsWagner und Puccini funktionieren nur, wenn das Orchester involviert ist. Bei Verdi beispielsweise habe ich früher in meiner Zeit als Trompeter im Opernorchester selbst manchmal nicht gewusst, was gerade auf der Bühne passierte. Bei Wagner wie bei Puccini ist dagegen der Text das Maß, das Phrasierung, Tempo und melodische Linie angibt. Und nur wenn man den Text versteht, weiß man, wann und auf welche Art man flexibel sein darf, und kann etwa bei Puccini ein Rubato im Sinne einer Verstärkung des musikalischen Ausdrucks anwenden. Außerdem gibt es eine starke Ähnlichkeit, was das ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jörg Königsdorf

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