Flugtrauma
Im Vietnam-Krieg stürzt ein amerikanischer Pilot ab. Dreißig Jahre später erwartet seine noch immer trauernde Tochter Amelia ihr erstes Baby. In düsteren Träumen erscheint ihr Ikarus – jener fliegende Junge aus dem griechischen Sagenkreis, der sterben musste, weil er sich der Sonne zu sehr genähert hatte. Über der verstörten Schwangeren schwebt, ihrem Blick verborgen, eine Erscheinung – diskret «die Fliegerin» genannt –, bei der es sich offenkundig um den Geist der legendären Pilotin Amelia Earhart handelt.
Deren lebende Namensvetterin ist mit einem Ingenieur verheiratet, der an der Entwicklung streng geheimer Flugzeuge, vermutlich Kampfflieger, arbeitet.
Das mag eher wie eine frei-assoziative Galerie-Installation klingen als der Entwurf zu
einem spannenden Bühnendrama. Sei’s drum. Schauplätze, Zeitspannen, Realitätsebenen überschneiden sich in Daron Aric Hagens neuer, manierierter, krampfhaft aufrichtiger Oper «Amelia», die auf dem Libretto von Garner McFall nach einer Vorlage von Stephen Wadsworth beruht. Der erste Akt zieht in beharrlicher Nicht-Linearität wie ein einziges gleichförmiges Largo vorüber, derweil sich zahlreiche grundanständige Personen in einem breiten Fluss ...
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