Monster und Genie
Beschaut man das Cover dieses Buches, man könnte das Fürchten lernen. Der Titel «Genie oder Monster» lässt an einen Psychothriller denken, und das Bild dazu, auf dem zwei Frauen in bester Munch-Manier einen Hilfeschrei auszustoßen scheinen und sich dabei die Ohren zuhalten, wirkt auch nicht eben vertrauenserweckend. Sachlicher, konziser, kla -rer wird es im Untertitel: «Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk zu trennen».
Und genau darum geht es Claire Dederer auch in ihrer Studie – um eine Aufklärung darüber, wie ein ethischer und ein ästhetischer Imperativ zusammenpassen könnten, ob also der Sinn für Moral imstande wäre, mit der Liebe zur Kunst eine Liaison einzugehen, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. Und ob man ein Kunstwerk lieben kann, das von einem Menschen geschaffen wurde, mit dem man, vorsichtig gesagt, negative (Lebens-)Erfahrungen verbindet.
Die Liste derer, die unter dieses Rubrum fallen, ist lang. Sie reicht von Pablo Picasso bis zu Roman Polański, sie schließt Woody Allen ebenso ein wie Norman Mailer sowie die bekennenden Antisemiten Ezra Pound, Virginia Woolf und natürlich Richard Wagner. All diese Künstlerinnen und Künstler, konzediert die ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 30
von Jan Verheyen
Am Teatro alla Scala ist der Name von Maria Callas untrennbar mit Luigi Cherubinis «Médée» verbunden. Nicht zuletzt mit dieser Partie, die sie 1953 unter Leonard Bernstein und nochmals 1961 sang (am Pult stand Thomas Schippers), erzielte die griechische Sopranistin einen ihrer größten Erfolge. Ob Zufall oder absichtsvolle Reverenz: 62 Jahre lang wurde diese Oper in...
Eigentlich hatte Rossini sich bereits von der Opera buffa distanziert, um sich in Frankreich am ernsteren Fach zu erproben, als er mit «Il viaggio a Reims» 1825 doch noch einmal eine Buffa für das Pariser Théâtre-Italien komponierte. Das Werk ist eine veritable Krönungsoper, geschrieben zur Inthronisierung König Karls X. von Frankreich, der nur fünf Jahre später...
Selbst gewiefte Kenner der «Winterreise» dürften Schuberts Liedzyklus wohl noch nie so abgrundtief pessimistisch erlebt haben wie in der Neuaufnahme des französischen Tenors Cyrille Dubois. Am Ende seiner Tour d’horizon durch das eigene Ich erwartet den Protagonisten dieser «schauerlichen» Lieder, wie Schubert sie selbst bezeichnet haben soll, bei Dubois das blanke...
