Mondkranke unter sich
Mono- und Melodramen haben einen entscheidenden Vorzug: Sie sind zumeist vergleichsweise kurz. Das erlaubt, an einem Abend dargeboten, reizvolle programmatische Konfigurationen. Die Produktion «Nachtgewächse» an den Sächsischen Landesbühnen verbandelt nun Arnold Schönbergs epochemachenden «Pierrot Lunaire» mit Peter Maxwell Davies’ «Eight Songs for a Mad King».
Eine schlüssige Gegenüberstellung, weil bei der Entstehung des krawalligen Königsporträts der mondkranke Clown Pate stand: Die «Pierrot»-Besetzung aus Klavier, Flöte, Klarinette, Geige respektive Bratsche und Violoncello wird im Werk des Briten aufgegriffen und um Schlagwerk und ein Cembalo erweitert.
In der Inszenierung von Kai Anne Schuhmacher, seit August dieses Jahres Operndirektorin des Hauses, ist das Kammerensemble nicht etwa durch einen Paravent von den Blicken des Publikums abgeschirmt, sondern stellenweise unfreiwilliger Akteur des Bühnengeschehens – und muss dabei über sich ergehen lassen, dass ihm sein Instrumentarium entwendet und zu Stücken zerschlagen wird. Szenisch ist also einiges geboten bei diesem Doppelabend auf der räumlich recht beengten Studiobühne in Radebeul. Das eint die beiden etwa halbstündigen ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Werner Kopfmüller
Die Oper ist eine katholische Kunstform und führt durch Himmel und Hölle, durch Verdammnis und Erlösung. Alberto Franchettis nach fast einhundert Jahren in Vergessenheit erstmals wiederaufgeführter «Asrael» erfüllt diese Bestimmung auf fast schon fatale Weise. Franchettis Librettist Ferdinando Fontana hat die krause Erzählung vom Engelspaar Asrael und Nefta, die...
Der Bedarf an Biografien namentlich weiblicher Verwandter von berühmten Persönlichkeiten speist sich vermutlich vor allem aus zwei Quellen: Erstens liegen über Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe und eben Richard Wagner so zahl- und umfangreiche Bücher vor, dass eine Erweiterung des Blicks aus der Verlegenheit ständiger Wiederholungen heraushelfen kann....
Der zynische Unterton im Titel ist wohl kein Zufall. Das Drücken der «Escape»-Taste beim Computer bewirkt im Normalfall den Abbruch eines Vorgangs, stellt einen ursprünglichen Zustand her. Das ist in den beiden neuen Einaktern, die das Theater Freiburg unter der Überschrift «Escape» vereint, so gut wie ausgeschlossen. Da sind einmal jene Menschen aus Vietnam, die...
