Modellhaus im Revier

Durch unkonventionelle Ensemblearbeit und eine mutige Dramaturgie hat Stefan Soltesz das Essener Aalto-Theater unter Strom gesetzt

Tempo 80. Vielleicht auch nur Tempo 60. Im Zweifelsfall sogar Stillstand. Wer nach Essen will und über die A 40 kommt, egal ob aus westlicher oder östlicher Richtung, wird allenfalls zu mitternächtlicher Stunde ungestört Fahrt aufnehmen können. Viel zu sehen entlang der Brummi-Route gibt’s ohnehin nicht. Doch den Kulturpilgern ist das egal. Wer nicht gerade mit Bus oder Bahn kommt oder kommod vom Chauffeur vorgefahren wird, nimmt die Ruckelanfahrt gern in Kauf. Denn das Ziel lautet: Aalto-Theater.
Dabei gäbe es gerade in Nordrhein-Westfalen reichlich Alternativen.

Im Bereich Oper allein elf. Doch der Magnet mit der größten Anziehungskraft sitzt längst nicht mehr in Köln oder Düsseldorf, sondern eben mitten im Revier, in Essen. Seit Jahren hat sich das Niveau des Hauses peu à peu gesteigert. Das hängt nicht nur mit dem 1988 eröffneten Bau Alvar Aaltos zusammen, sondern auch mit der Qualität, die in ihm geboten wird. Bei den jährlichen Rankings diverser NRW-Zeitungen sahnen die Essener gewöhnlich auf breiter Front ab: Haus des Jahres, Orchester des Jahres, Dirigent des Jahres, Regie des Jahres etc. Auch in dieser Zeitschrift waren Essens Philharmoniker schon einmal, im Jahr 2003, zum ...

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Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 22
von Christoph Vratz

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