Mitten im Geschehen
Was muss ein Stoff haben, damit eine Oper aus ihm werden kann? Aribert Reimann hat diese Frage für sich so beantwortet: «gleichnishaften Ewigkeitswert». In seinen Bühnenwerken ist daher der Mensch das Maß der Dinge. Er ist Thema, Anlass, Gegenstand – und zwar als singend sich äußernde und entäußernde Figur. Darin dürfte ein wesentlicher Grund dafür liegen, dass diese Stücke auch nach den Uraufführungen weitergespielt werden, ja dass es von «Melusine» oder «Gespenstersonate» seit Jahrzehnten immer wieder und weit über Deutschland hinaus Aufführungsserien gibt.
«Lear» schlägt in dieser Hinsicht alle Rekorde. Die Uraufführung fand 1978 im Münchner Nationaltheater statt. Seitdem hat das Stück mehr als zwanzig Neuproduktionen erlebt und zwar an Häusern jeder Größenordnung: Amsterdam, London und San Francisco sind ebenso darunter wie Nürnberg und Oldenburg.
An der Oper Frankfurt lieferte Sebastian Weigle mit «Lear» seinen Einstand als Generalmusikdirektor. Die Aufführung wurde in dieser Zeitschrift ausführlich besprochen (siehe OW 11/2008). Aus vier Vorstellungen im Herbst 2008 hat das Label Oehms jetzt einen Live-Mitschnitt destilliert und auf CD veröffentlicht. Es soll der Beginn einer ...
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Zu Händels Lebzeiten eine seiner meistgespielten Opern, hat der 1727 uraufgeführte «Admeto» bisher nur eingeschränkt vom großen Händel-Revival profitieren können. Zwar erschien schon in den siebziger Jahren eine Gesamtaufnahme auf historischen Instrumenten, doch eine Breitenwirkung ging von dieser Einspielung ebenso wenig aus wie von gelegentlichen...
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem...
Die Realität von Janáceks «schwarzer» Oper – eine der finstersten der an düsteren Werken gar nicht so armen Operngeschichte des 20. Jahrhunderts – verweigert sich jedem theatralischen Realismus. Was hier in pausenlosen hundert Minuten auf die Sinne des Zuschauers und -hörers einstürmt, ist weniger die ungeschönte Brutalität der Handlung als die körperhafte Präsenz...
