Mitherrschen, mitfühlen, mitleiden
Einer der letzten heißen Sommertage in Salzburg. Wir haben uns mit René Pape zum Gespräch auf der Terrasse des Festspiel-Pressezentrums verabredet. Der Blick über die Stadt, auf die Feste Hohensalzberg, den Dom und die anderen Kirchen ist immer wieder überwältigend: Architektur, die von einstiger Macht und Herrlichkeit kündet, die Mozart allerdings auch mit ihren Kehrseiten erfahren hat. Vielleicht ist etwas davon in den Sarastro eingeflossen, hinter dessen Edelmenschentum sich auch der harte Herrscher verbirgt, der gescheiterten Prüflingen mit dem Tod droht.
Avancierte Regisseure, die gern hinter Text und Noten schauen, haben diese zweite Seite des Oberweisen oft recht drastisch sichtbar werden lassen, wie etwa Ruth Berghaus.
René Pape, der während des zurückliegenden Festspielsommers den Sarastro in der «Zauberflöte» gesungen hat, benötigt nicht unbedingt Regisseure, die ihm die entsprechenden körperlichen Verrenkungen und mimisch-gestischen Übersteigerungen einimpften. Papes Darstellungsinstrument ist in erster Linie die Stimme: Sie besitzt die Kraft, die gebändigte sonore Fülle, die Geschmeidigkeit, um den richtigen Herrscherton zu treffen. Mit diesem Sarastro gibt es keine ...
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Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: Sängerin und Sänger des Jahres, Seite 8
von Gerhard Rohde
Alceste ist tot, die Partie zu Ende. Die Protagonistin aber sitzt die letzten zehn Minuten der Aufführung noch an der Rampe: still, ohne zu singen, das ganze Drama um Leben und Sterben noch einmal rekapitulierend. Die kleinen Bewegungen ihres Kopfes, die Verschattungen des Blicks erzählen. Alceste blickt aus dem Jenseits zurück auf die Welt, auf Hoffnungen und eine...
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
Der Dialog findet sich bei Peter Handke, in dem Drama «Die Unvernünftigen sterben aus», 1973 geschrieben, unverständlicherweise nicht gerade häufig gespielt. Wunderbare Sprache, als Metapher über den Zustand der bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft nahezu unübertroffen. Ein Gespräch zwischen dem zynischen Unternehmer Hermann Quitt und seiner Freundin Paula...
