Mitherrschen, mitfühlen, mitleiden
Einer der letzten heißen Sommertage in Salzburg. Wir haben uns mit René Pape zum Gespräch auf der Terrasse des Festspiel-Pressezentrums verabredet. Der Blick über die Stadt, auf die Feste Hohensalzberg, den Dom und die anderen Kirchen ist immer wieder überwältigend: Architektur, die von einstiger Macht und Herrlichkeit kündet, die Mozart allerdings auch mit ihren Kehrseiten erfahren hat. Vielleicht ist etwas davon in den Sarastro eingeflossen, hinter dessen Edelmenschentum sich auch der harte Herrscher verbirgt, der gescheiterten Prüflingen mit dem Tod droht.
Avancierte Regisseure, die gern hinter Text und Noten schauen, haben diese zweite Seite des Oberweisen oft recht drastisch sichtbar werden lassen, wie etwa Ruth Berghaus.
René Pape, der während des zurückliegenden Festspielsommers den Sarastro in der «Zauberflöte» gesungen hat, benötigt nicht unbedingt Regisseure, die ihm die entsprechenden körperlichen Verrenkungen und mimisch-gestischen Übersteigerungen einimpften. Papes Darstellungsinstrument ist in erster Linie die Stimme: Sie besitzt die Kraft, die gebändigte sonore Fülle, die Geschmeidigkeit, um den richtigen Herrscherton zu treffen. Mit diesem Sarastro gibt es keine ...
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Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: Sängerin und Sänger des Jahres, Seite 8
von Gerhard Rohde
Da gelo a gelo» – «Von Erstarrung zu Erstarrung» könnte man den Titel von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper übersetzen. Es ist die dritte Bühnenarbeit dieses Komponisten, die bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt wurde. Das Werk fußt auf dem Tagebuch der japanischen Dichterin Izumi Shikibu, die vor etwa tausend Jahren lebte. Sie gilt als die größte Poetin...
Alceste ist tot, die Partie zu Ende. Die Protagonistin aber sitzt die letzten zehn Minuten der Aufführung noch an der Rampe: still, ohne zu singen, das ganze Drama um Leben und Sterben noch einmal rekapitulierend. Die kleinen Bewegungen ihres Kopfes, die Verschattungen des Blicks erzählen. Alceste blickt aus dem Jenseits zurück auf die Welt, auf Hoffnungen und eine...
Herr Zehelein, fünfzehn Jahre Staatsoper Stuttgart unter Ihrer Leitung, das sind fünfzehn Spielzeiten gegen Event-Kultur und für einen künstlerischen Wahrheitsbegriff, der sich von Hegel ableitet und später von Adorno übernommen wurde. Es sind Impulse einer Selbstbefragung und Selbstverständigung: Oper als Bild und Gegenbild der Gesellschaft. Das hat Ihrem...
