Mit Revolver und Taschenmesser
In einem «Siegfried», dem am schwierigsten zu bebildernden Teil von Wagners «Ring», ist schon einiges gewonnen, wenn es szenisch nicht peinlich wird. Am Landestheater Coburg zeigt Alexander Müller-Elmau in dieser Hinsicht eine über weite Strecken glückliche (Regie-)Hand, und irgendwo ist es recht und billig, dass der Kräftigste unter den Helden auch hier kein Schwert mehr schmiedet, sondern einen Revolver aus der Tonne zieht.
Sein ausführliches Schmiedelied kann Patrick Cook, der der Partie auch an dieser extrem anstrengenden Stelle gewachsen ist, entsprechend für eine kleine Schlagzeugsession auf Fass und Flasche nutzen. Sympathische Nonchalance legt der Tenor auch an den Tag, wenn er bei der Erstbegegnung mit dem Waldvogel einfach so tut, als würde er pfeifen oder singen.
Nothung, der neidliche Revolver: Durch Cooks entspanntes Spiel würde man sich gerne neu dafür interessieren, dass Siegfried durch einen Quantensprung in der Waffentechnologie so immens siegreich sein könnte. Aber auch in Coburg entwickelt sich nicht viel daraus (außer, dass im Rang eine Tür knallte, vielleicht ein Zufall). Zum Beispiel ist es schwierig, einen Speer zu erschießen, also wird Siegfried ihn in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Judith von Sternburg
Der in Rouen ansässige Kammerchor Accentus und sein Dirigent Christophe Grapperon rücken mit dieser faszinierenden Aufnahme schiefe Perspektiven zurecht. Wie in Deutschland die Symphonik, so gilt im Frankreich des 19. Jahrhunderts die Oper als zentrale Gattung der Musik. In Wirklichkeit war diese Zeit in beiden Ländern schlechthin das Jahrhundert der Chormusik. Das...
Ob man 70 Jahre alt werden müsse, um zu erkennen, dass man eigentlich für den Kitsch die größte Begabung habe, fragte Richard Strauss, als er die «Arabella» komponierte. Eine rhetorische Frage, natürlich. Auch in der «Frau ohne Schatten», die als Hauptwerk konzipiert war, darf Kitsch sein. Etwa wenn der fesche Menschenkaiser – nicht zufällig ein Tenor – seine...
Über den Köpfen des Publikums fliegen die Fetzen, man sitzt mitten im Kreuzfeuer verfeindeter ästhetischer Positionen. Regisseur Guillermo Amaya hat die gegnerischen Lager in seiner Heidelberger Inszenierung auf den Treppen des Zuschauerraumes und an der Bühnenrampe postiert. Komische, Tragische, Lyrische und Hohlköpfe liefern sich einen furiosen Schlagabtausch. In...
