Mit Revolver und Taschenmesser

Wagner: Siegfried COBURG | LANDESTHEATER

Opernwelt - Logo

In einem «Siegfried», dem am schwierigsten zu bebildernden Teil von Wagners «Ring», ist schon einiges gewonnen, wenn es szenisch nicht peinlich wird. Am Landestheater Coburg zeigt Alexander Müller-Elmau in dieser Hinsicht eine über weite Strecken glückliche (Regie-)Hand, und irgendwo ist es recht und billig, dass der Kräftigste unter den Helden auch hier kein Schwert mehr schmiedet, sondern einen Revolver aus der Tonne zieht.

Sein ausführliches Schmiedelied kann Patrick Cook, der der Partie auch an dieser extrem anstrengenden Stelle gewachsen ist, entsprechend für eine kleine Schlagzeugsession auf Fass und Flasche nutzen. Sympathische Nonchalance legt der Tenor auch an den Tag, wenn er bei der Erstbegegnung mit dem Waldvogel einfach so tut, als würde er pfeifen oder singen. 

Nothung, der neidliche Revolver: Durch Cooks entspanntes Spiel würde man sich gerne neu dafür interessieren, dass Siegfried durch einen Quantensprung in der Waffentechnologie so immens siegreich sein könnte. Aber auch in Coburg entwickelt sich nicht viel daraus (außer, dass im Rang eine Tür knallte, vielleicht ein Zufall). Zum Beispiel ist es schwierig, einen Speer zu erschießen, also wird Siegfried ihn in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Judith von Sternburg

Weitere Beiträge
Götter und Menschen im Zoo

Als im August 1876 die Festspiele in Bayreuth mit Richard Wagners «Ring» eröffnet wurden, war das Echo in den Medien gewaltig. Allein aus Deutschland reisten über 60 Rezensenten in die fränkische Provinz, die New York Times schmückte ihre Titelseite mit Artikeln über Bayreuth, alle wichtigen Blätter der europäischen Metropolen berichteten ausführlich. Ob zustimmend...

«Ne me touche pas!»

Sensibel in der Zeichnung der Figuren, subtil in der Reduzierung der Partitur auf gerade mal fünf Instrumente und spannend erzählt wie ein Krimi – so kommt diese maximal verdichtete Version von «Pelléas et Mélisande» daher. Das impressionistische Drame lyrique, das Debussy als Sohn des Fin de Siècle 1902 mit scheinbar von der Welt entfernter Entrücktheit auf den...

Vorschau/Impressum 5/23

VORSCHAU
Intensität
Seine Anfänge liegen im Männergesangsverein Neu-Listernohl (Westfalen). Seit Jahren aber sind die großen Bühnen der Musiktheaterwelt sein Zuhause. Dort reüssierte Georg Zeppenfeld zunächst mit Mozart und Verdi, bevor er zu einem der wichtigsten Wagner-Bässe unserer Zeit wurde. Ein Interview

Innovation
Sie ist eine Grenzgängerin, eine...