Finaler Rettungsschuss
«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste Libretto stellt den Tyrannenmord an Gesler in eine polyperspektivische Dramaturgie, die den patriotischen Massenszenen wie den liebevoll ausgemalten Genrebildern breiten Raum gibt.
Bei Rossini wird Tell – im Unterschied zu Schillers Schauspiel – von Anfang an als politischer Aktivist und Haupt der Verschwörung gegen die landfremden Habsburger gezeigt, das vom Volk verkörperte Ideendrama durch die private Liebeshandlung um den Schweizer Arnold und die österreichische Prinzessin Mathilde aber aufgeweicht.
Regisseur Andreas Baesler und sein Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer haben bei ihrer Gelsenkirchener Inszenierung des Werkes den politischen Kern der Handlung herausgeschält und den Freiheitskampf der Älpler zugleich in einen ironischen Rahmen gestellt. Zu den Klängen der Ouvertüre projizieren sie Charles Girons Wandgemälde «Die ...
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