Mit Löwenkräften
Dieser dreieinhalb Tonnen schwere, entwurzelte Stamm: ein wahrhaft gewichtiges Symbol der Unterdrückung. Am Schluss schwebt das Ungetüm, von mächtigen Winden in die Höhe gewuchtet, gen Decke davon: Die Schweiz ist frei. Nach Palermo kam der Baum aus London, wo er in Damiano Michielettos provokanter «Guillaume Tell»-Inszenierung an Covent Garden seinen ersten Auftritt hatte – eine Produktion, die wegen einer Gruppen-Vergewaltigungsszene in England eine Empörungswelle lostrat (siehe OW 8/2015).
Das Publikum von Palermo ist historisch wohl anders aufgestellt als die Besucher der Royal Opera. Sexuelle Übergriffe auf die weiblichen Einwohner eroberter Gebiete? Nicht erst seit der Sizilianischen Vesper ein beliebter Zeitvertreib jeder Besatzungsmacht. Weiß man doch! Ein einsames «Bravi!» erhebt sich gegen vereinzelte Zwischenrufe à la «Schande!» und «Scheußlich!» – das war’s auch schon. Geradezu komisch (wahrscheinlich unfreiwillig) wirkt die Ähnlichkeit zwischen den Uniformen von Gesslers Offizieren und den italienischen Steuerfahndern, der «Guardia di Finanza». Auch allerlei Bizarres amüsiert. Warum zum Beispiel schickt Ruodi seine Couplets in die Stratosphäre, während er taumelnd und ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Carlo Vitali
Man sieht es und staunt: Mitten auf der kleinen Bühne des Theaters Plauen ist ein fliegender Teppich gelandet und hat gleich einige Musiker aus dem Orient ins schöne Sachsen mitgebracht. Diese ergänzen nun mit authentischen Klängen aus ihrer Heimat die von Peter Cornelius recht umständlich erzählte Geschichte vom verhinderten Liebespaar und der Hilfe durch den...
Vielleicht ist es kein Zufall, dass für Simon Estes der Holländer zu einer Art Schlüsselfigur wurde. Als Claus Helmut Drese den Bassbariton 1976 in das Zürcher Ensemble holte, lag sein Europa-Debüt an der Deutschen Oper Berlin bereits elf Jahre zurück. Ein künstlerisches Zuhause war dem in Iowa aufgewachsenen Sohn eines Bergmanns und Enkel eines Großvaters, der...
Unweit des Tiefurter Schlosses steht es, weithin unbeachtet. Ein Denkmal für Wolfgang Amadé Mozart, errichtet vom Schweizer Johann Heinrich Meyer. Im eigentlichen Sinne aber ist es kein Denkmal, weil es denjenigen, dem es huldigen will, gar nicht zeigt. Auf dem Sockel, den die Inschrift «Mozart und den Musen» ziert, sieht man lediglich eine Lyra, Symbol für Apollon...
