Mit freundlichen Füßen
Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst ruiniert werden! Ihre Gesichter verlieren die Männer.
Sicher, wenn ein Mann seinen domestizierten Familientraum an der Seite von Gattin, Frau Mama und womöglich alsbaldigem Nachwuchs aufgeben muss: Das verlangt(e) nach blutiger Rache. Wir Männer bestimm(t)en die Welt. Und der Körper der Frau taugt(e) nur für diskrete Affären auf der einen oder für das Gebären von Kindern auf der anderen Seite. Selbstbewusste Frauen, die so viel Sex haben, wie sie halt wollen: Noch heute sind sie Opfer von Lästerei und übler Nachrede. Provokation durch Freiheit. Dörflichkeit ist überall. Nicht nur im historischen Sevilla.
In der aktuellen «Carmen» am Staatstheater Nürnberg sehen wir einen charmant abgewrackten Marktplatz (Bühnenbild: Heike Scheele), mit Galerie, Seiteneingängen und einer Bühne (auf der Bühne). Micaëla wird von den sich ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Arno Lücker
Das Glück ist eine zarte Pflanze. Fragil ist es, stetig in Gefahr, geknickt zu werden und denjenigen, der es gerade noch in Händen zu halten glaubte, in die Verzweiflung zu treiben. Und wenn einer weiß, wie sich das anfühlt (und wie man davon in leidenschaftlichsten Tönen singt), dann ist es Jaufré Rudel, jener sagenhafte Troubadour, dem die Frauen hundertfach zu...
Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der...
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...
