Mit freundlichen Füßen
Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst ruiniert werden! Ihre Gesichter verlieren die Männer.
Sicher, wenn ein Mann seinen domestizierten Familientraum an der Seite von Gattin, Frau Mama und womöglich alsbaldigem Nachwuchs aufgeben muss: Das verlangt(e) nach blutiger Rache. Wir Männer bestimm(t)en die Welt. Und der Körper der Frau taugt(e) nur für diskrete Affären auf der einen oder für das Gebären von Kindern auf der anderen Seite. Selbstbewusste Frauen, die so viel Sex haben, wie sie halt wollen: Noch heute sind sie Opfer von Lästerei und übler Nachrede. Provokation durch Freiheit. Dörflichkeit ist überall. Nicht nur im historischen Sevilla.
In der aktuellen «Carmen» am Staatstheater Nürnberg sehen wir einen charmant abgewrackten Marktplatz (Bühnenbild: Heike Scheele), mit Galerie, Seiteneingängen und einer Bühne (auf der Bühne). Micaëla wird von den sich ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Arno Lücker
Englische Puritaner sollen einst auf Jahrmärkten der Bären «Tanzen» auf glühenden Eisen verboten haben: nicht aus Mitleid mit den Tieren, sondern weil sich die Leute nicht amüsieren sollten. Robert Wilson erzählte einmal analog, dass strenggläubige Südstaatler es triftig fanden, dass Abraham Lincoln in einem Theater erschossen wurde: Ort der Lustbarkeit und Sünde,...
Überbeschäftigt?
Zuletzt sahen wir von Regisseur Johannes Erath Gounods «Faust» und Saariahos «L'Amour de loin» in Köln sowie Verdis «La traviata» in Hamburg und Mozarts «Le nozze di Figaro» in Dresden. Doch: Lebt es sich als viel gefragter Künstler gut «aus dem Koffer»? Und wie martert man sich wirklich treffende Regie-Ideen entlang der Stoffe mehrmals im Jahr aus...
arte
05.12. – 17:40 Uhr
Concerto per Milano
Es ist eine Institution: Jeden Sommer wird das «Concerto per Milano» auf dem Platz vor der prächtigen Kulisse des Mailänder Doms aufgeführt – bei freiem Eintritt. Die Filarmonica della Scala di Milano unter Chefdirigent Riccardo Chailly spielt Tschaikowskys «Capriccio italien» op. 45 und die erste Suite aus dem Ballett...
