Mit freundlichen Füßen
Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst ruiniert werden! Ihre Gesichter verlieren die Männer.
Sicher, wenn ein Mann seinen domestizierten Familientraum an der Seite von Gattin, Frau Mama und womöglich alsbaldigem Nachwuchs aufgeben muss: Das verlangt(e) nach blutiger Rache. Wir Männer bestimm(t)en die Welt. Und der Körper der Frau taugt(e) nur für diskrete Affären auf der einen oder für das Gebären von Kindern auf der anderen Seite. Selbstbewusste Frauen, die so viel Sex haben, wie sie halt wollen: Noch heute sind sie Opfer von Lästerei und übler Nachrede. Provokation durch Freiheit. Dörflichkeit ist überall. Nicht nur im historischen Sevilla.
In der aktuellen «Carmen» am Staatstheater Nürnberg sehen wir einen charmant abgewrackten Marktplatz (Bühnenbild: Heike Scheele), mit Galerie, Seiteneingängen und einer Bühne (auf der Bühne). Micaëla wird von den sich ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Arno Lücker
Bäume? Sucht man vergebens. Ameisenhügel, Haselnüsse, Tannenzapfen? Fehlanzeige. Vogelgezwitscher? Hört man nur im Orchester, dort aber überaus erquicklich und auch in der Folge in glücklichster Trennschärfe; die Kammerfassung von Jonathan Dove ist wirklich famos und wird von Marko Letonja, Bremens neuem GMD, exakt auch so dirigiert. Auf der Bühne aber ist die...
Beim letzten Neustart gab es Verdi: den allerdunkelsten von allen. Doch «Macbeth», im Oktober 2008 von Martin Kušej inszeniert, bescherte der Intendanz von Nikolaus Bachler einen holprigen Beginn. Und das nicht allein, weil der später aus dem Haus gedrängte GMD Kent Nagano übergangen wurde und Gast Nicola Luisotti dirigierte. Sondern auch, weil sich schon damals...
Zur Hochzeit der Opera seria in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte Giuseppe Maria Boschi zu ihren erfolgreichsten Interpreten. Nachdem er 1710/1711 in London erstmals in Opern Georg Friedrich Händels gesungen hatte, ging er 1717 mit dem Komponisten Antonio Lotti an den Dresdner Hof, von wo ihn Händel erneut für die Royal Academy of Music abwerben...
