Mit den Augen hören
Frau Jahns, Sie haben bereits Ende der achtziger Jahre in Dresden Schumanns «Liederkreis» auf die Bühne der Kleinen Szene gebracht. Damals war die Idee, Lieder als Mini-Opern zu interpretieren und zu visualisieren, etwas Neues. Was hat Ihr Interesse an szenischen Liederabenden ursprünglich motiviert?
Ich hatte eigentlich schon immer den Wunsch, mich beim Singen zu bewegen. Für mich war dieses steife Am-Flügel-Stehen bei Liedinterpretationen ein Kraftakt, der mich mehr anstrengt als die Bewegung im Raum.
Stand somit eine ganz pragmatische Erwägung am Anfang?
Ja, das kann man so sagen. Aber bald kam natürlich das Bedürfnis hinzu, für die Lieder eine plausible bildliche Dramaturgie zu entwickeln. Ich wollte für mich einen Weg finden, das Konkrete in und hinter all den kleinen Geschichten aufzuspüren, die da erzählt werden. Gleichzeitig ging es mir darum, den inneren Zusammenhang der Zyklen zu verstehen und zu vermitteln, also mich der Frage zu stellen, warum ein Komponist eine bestimmte Folge von Liedern so und nicht anders festgelegt hat. Das Denken in Bildern hat mir dabei sehr geholfen.
Geben Sie mit einer konkreten Bebilderung dem Zuschauer nicht Wahrnehmungsmuster vor, die das ...
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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 35
von Albrecht Thiemann
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