Leerstellen
Es kann ein Wagnis für die Regisseurin sein, dem Publikum vorab ihre Sicht auf das inszenierte Stück mitzuteilen, muss man sich dann doch an der eigenen Absicht messen lassen. Monique Wagemakers ging das Risiko ein. «Wir erzählen die Geschichte aus der Perspektive von Siegmund, Sieglinde, Brünnhilde und den Walküren, den Kindern Wotans», wird sie im Programmheft zitiert. Diese Vorgeschichte, so Wagemakers, sei «konzeptioneller Ausgangspunkt unserer Produktion, der sich auch im Bühnenbild niederschlägt: So ist die Materialität des Raumes verbranntes Holz».
Versprechungen solcher Art führen zu Erwartungen. Leider konnte die Regisseurin diese mit ihrer Lesart der «Walküre» nicht erfüllen.
Das Theater Chemnitz will mit seinem «Ring»-Zyklus die «weibliche Sicht» auf Wagners Tetralogie zeigen; vier Regisseurinnen inszenieren. Den Anfang machte Verena Stoiber mit ihrer konsumkritischen Deutung des «Rheingold»: unverkrampft, frisch und voller Ideen. Wagemakers hingegen scheint die zündende Idee zu fehlen – oder sie kann sie nicht umsetzen. Um ihre Intentionen zu vermitteln, reicht es nicht, wenn im ersten Akt einmal ein Kinderpaar – Siegmund und Sieglinde – im Hintergrund auftaucht oder ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Nora Sophie Kienast
Auf Mark Wigglesworths Pult liegt John Tyrrells 2017 erschienene kritische Neuedition von Janáčeks letzter Oper «Aus einem Totenhaus». In der Ouvertüre schlagen die hohen Violinen weniger nervös aus als etwa bei Charles Mackerras: Wigglesworth scheint darauf bedacht, das beinahe kammermusikalisch agierende Orchester bewusst dicht zu führen, um den von Janáček in...
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts...
Gott ist abwesend, der Kampf ums Überleben diktiert den Stückverlauf. Die (Todes-)Angst vor Aids und das heikle Coming-out, auch innerhalb der Familien, heizen ihn an. Aus dem Alltag erwächst die Vision, am Ende fantasiert sich Prior Walter (er ist nicht Prior, er heißt so) einen Engel herbei, der seinerseits auf Prophetensuche ist. Doch Prior lehnt den Job ab. Er...
