Ergreifend
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik, deutlich in seiner imaginativen Aussage. Gleichzeitig ist dieses Bild ein optisches Bühnenzitat aus dem vorangegangenen «Siegfried», bewirkt also eine Verknüpfung der einzelnen «Ring»-Teile.
Auch das Ross Grane, das – entworfen von Marc Schnittger – als eine von drei Spielern zum Leben erweckte Skelettpuppe vorgeführt wird, ist eine solche Reminiszenz an Früheres, hier an die ebenfalls von Puppen dargestellten «Rheingold»-Riesen und den Drachen im «Siegfried». Im Rückblick erkennt man so, wie Regisseur Daniel Karasek, der unlängst seinen Kieler Intendantenvertrag gerade bis 2025 verlängert hat, aus den einzelnen Abenden der Tetralogie ein zusammenhängendes Ganzes zu formen versteht, in dem nicht zuletzt auch die Videos von Konrad Kästner, etwa mit dem Gedanken der Umweltzerstörung, und die bisweilen an Wieland Wagner erinnernde ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Gerhart Asche
Der Meister war voll des (untergründig-ironisch getränkten) Lobes. «Was uns bei Bellini bezauberte», heißt es in einem Brief Richard Wagners an Cosima, nachdem er Wilhelmine Schröder-Devrient in «I Capuleti e i Montecchi» gehört hatte, «war die reine Melodie, der schlichte Adel und die Schönheit des Gesangs.» Besonders ein Stück des Belcantokönigs, mit dem er sich...
Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und...
«Ich bin von Waberlohe umgeben», ruft Donald Duck in der deutschen Übersetzung eines seiner Comic-Abenteuer. Wieland Wagner soll ja auch mal daran gedacht haben, dem «Ring» eine Disney-Ästhetik zu verpassen, legitimiert wohl vom Großvater und dessen Satz «Kinder, macht Neues». Freilich war Letzterer eigentlich eine Aufforderung an Komponistenkollegen, lieber Neues...
