Missbildung als Logo
Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die Luca Pfaff dem flämischen Opernorchester mit Vehemenz entlockt, ist groß besetzt und kommt düster daher. Ein tragischer Finsterlingston, der manchmal selbst cineastische Pinselstriche nicht scheut.
Es ist eine Musik, die fortwährend – bald skandierend, bald oratorisch – ihre eigene Bedeutung behauptet. Zwar (fast) immer auf emotionalem Erregungsniveau und ohne allzu viel differenzierende Figurencharakteristik, doch mit Entfaltungsraum für das expressive, baritonale Dauerparlando des Titelhelden.
Den rückt Scott Hendricks imponierend ins Zentrum einer Shakespeare’schen Welttheater- und Kampf-Arena. Eine Gerüstkonstruktion mit leicht zur Seite gekippten, steil ansteigenden Zuschauerreihen. Der Boden ist knöcheltief mit rotem Sand bedeckt, der dann, wenn gemeuchelt wird, wie Blut spritzt. Maskenhafte Melonenträger in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Daniel Barenboim ist an allem schuld. Der Maestro höchstselbst hat damals die Filmregisseurin angerufen – nachdem ihm jemand ein Video ihrer Komödie «Männer» zugespielt hatte – und sie rundheraus gefragt, ob sie nicht bei ihm an der Berliner Staatsoper Unter den Linden Mozarts «Così fan tutte» inszenieren wolle. Ganze zweimal war Doris Dörrie davor in der Oper...
Wenn ein Musik-Festival schon «UltraSchall» heißt, ist es bis zur «Oper am offenen Herzen» nicht weit. Derart kalauernd haben die Autoren einer «Opernsaga» namens «Kommander Kobayashi» ihr Vorgehen beschrieben. Diagnose: OP(er) dringend erforderlich, Praxisgebühr von 13 Euro bitte an der Abendkasse entrichten. Ergebnis: Patient lebt, ist aber kaum...
Wie sich die Zeiten geändert haben! Heutzutage geben viel versprechende junge Komponisten das Notenschreiben auf. Und werden Dirigenten, wie Giuseppe Sinopoli. Vor hundert Jahren ging das rumänische Geigenwunderkind George Enescu den umgekehrten Weg. 1893, mit zwölf, macht er in Wien sein Diplom und beginnt dann in Paris auch Komposition zu studieren, zuerst bei...
