Millimeterarbeit
Darauf, dass Mozarts «Così fan tutte» eine eher bitter als heitere Komödie ist, deutet bereits der ironische Untertitel «La scuola degli amanti» hin. Hinter dem Verwechslungszauber lauert ein grausames Kammerspiel mit eisiger Desillusionierungskonsequenz – das hat sich inzwischen flächendeckend herumgesprochen. Als harmlose Buffa unter Verschweigung von Mozarts Ambivalenzen wird «Così» heute kaum mehr gegeben.
Ob die Labor-Metapher vom Experiment am offenen Herzen als Deutungsschlüssel die Vielschichtigkeit des Stücks auch verengen kann, statt sie zu weiten, fragte man sich am Ende von Nicolas Briegers Neuproduktion an der Düsseldorfer Rheinoper dann aber doch.
Brieger hat eine Wand aus Glasbausteinen errichtet; auf der ansonsten gähnend leeren Bühne stehen beziehungsreich ein paar mit italienischen Silben beschriftete Würfel herum. Auf jeder der jeweils sechs Würfelflächen steht «fe» – für Ferrando – oder «fi» – für Fiordiligi, «de» für Despina und so fort. Das ergibt sechs Würfel mit jeweils sechs Flächen für sechs Protagonisten. Welche Kombinationen täten sich da auf?
Doch der Regisseur spielt nur mit dieser Idee, entwickelt sie nicht konsequent. Die Würfel werden zwar im Laufe ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Regine Müller
Nach dem Ende des Dritten Reiches war keine kulturelle Institution so kontaminiert wie die Bayreuther Festspiele. Einzig dem Testament von Sohn Siegfried und dem Besitz des Festspielhauses hatte es die bereits seit 1923 ganz der Person Hitlers und seiner völkischen Weltanschauung hörige Familie Wagner zu verdanken, dass man ihr die Fortführung der Festspiele nicht...
Das Fest blieb bei den Berliner Festtagen aus. Auch musikalisch. Das Programmheft druckte eine undatierte Erinnerung ab, in der Julius Kapp, Dramaturg der Berliner Uraufführung 1925, darlegt, dass sich «die Wozzeck-Partitur (...) häufig zur Sechs- und Siebenstimmigkeit entwickelt». Davon hörte man in der 12. Reihe des Schiller Theaters meist nur eine bis zwei...
Ein bemerkenswerter, ein großer Stoff von weltgeschichtlicher Relevanz – und eine bemerkenswert konzise Umsetzung. Wo andere – wie etwa Thomas Mann in seinem «Fiorenza»-Drama – mit breitem Pinsel den Kontrast ausmalen zwischen lebensbejahender Renaissance und dem asketischen, von religiösem Fanatismus geprägten Mönchstum Savonarolas, schafft Volker David Kirchner...
