Nemesis, auf Sparflamme

Festtage an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater: Daniel Barenboim und Andrea Breth minimalisieren «Wozzeck»; René Pape versucht den «Walküren»-Wotan

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Das Fest blieb bei den Berliner Festtagen aus. Auch musikalisch. Das Programmheft druckte eine undatierte Erinnerung ab, in der Julius Kapp, Dramaturg der Berliner Uraufführung 1925, darlegt, dass sich «die Wozzeck-Partitur (...) häufig zur Sechs- und Siebenstimmigkeit entwickelt». Davon hörte man in der 12. Reihe des Schiller Theaters meist nur eine bis zwei Stimmen. Daniel Barenboim ließ die Staatskapelle mit Rücksicht auf die Sänger so «kammermusikalisch» spielen, dass sie nahezu in der Bedeutungslosigkeit versank.

Zu diesem Understatement hatte ihn offenbar Andrea Breth verleitet, die ihrerseits die Szene klein hielt. Bei Barenboims erstem Berliner «Wozzeck» 1994 hatte es noch ganz anders geklungen. Nur bei den sinfonischen Zwischenspielen drehte die Staatskapelle mächtig auf. Diese musikalische «Konzeption» führte dazu, dass auch Bergs mit Leitmotiven arbeitende Rhetorik kaum noch erkennbar war. Barenboim verzichtete in der Mehrzahl der Fälle darauf, sie scharf zu konturieren, obwohl sie in der Partitur sogar extra gekennzeichnet sind. Ergebnis war ein instrumentales «Genuschel», das auf Dauer ermüdete. Man kann darüber streiten, ob diese «Abstraktion» modern oder einfach nur ...

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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Boris Kehrmann, Kai Luehrs-Kaiser

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