Milde, Liebe, Vergeben

Plácido Domingo gibt an der Berliner Staatsoper sein Rollendebüt als Simon Boccanegra

Was den musikalischen Teil betrifft, war dies die beste, wichtigste und geschlossenste Verdi-Premiere, die Berlin seit Langem erlebte. Dazu gleich mehr. Was den szenischen Teil betrifft, war es die unwichtigste, überflüssigste und wahrscheinlich auch teuerste Verdi-Premiere, die Berlin seit Langem erlitt: eine Koproduktion mit der Scala, an der Daniel Barenboim bekanntlich «Maestro Scaligero» ist.

Was der Kunsthistoriker und Schauspielmann Federico Tiezzi «inszenierte», streift oft die Grenze des unfreiwillig Komischen und erinnert (in Hass- und Liebesszenen gleichermaßen) an Otto Schenks wunderbare Opernparodien. Ganz sicher wird es in Mailand ein Riesenerfolg. Tiezzi suggeriert einen kunsthistorischen Rundgang (goldene Pappgotik!), mit finalen Abstechern ins 19. Jahrhundert. Man sieht Posen, Schreitarrangements, Händeringen und Schutzmanngesten. Die opulenten, geschmackvollen und sich selbst genügenden Kostüme wurden von Giovanna Buzzi entworfen und in Mailand angefertigt.
Wenn es stimmt, was in (fast) allen Berichten stand, nämlich dass die Staatskapelle in der Premiere von Barenboim zu einem knallig-überlauten, die Stimmen bedrängenden, letztlich stilfremden Spiel angehalten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf dem Weg nach oben

Jeder neue Veranstaltungsort der darstellenden Künste strebt danach, zwei Kriterien zu erfüllen: ein äußeres Erscheinungsbild, das das Publikum anzieht wie ein Magnet, und ein Interieur, das den Besuchern ein Gefühl behaglicher Wärme und Intimität vermittelt. Das Winspear Opera House in Dallas erreicht nicht nur beide Ziele, es überwältigt seine Besucher in...

TV-Klassiktipps

ARTE
1.12. – 3.00 Uhr
Georges Prêtre dirigiert
die Wiener Symphoniker. Werke von Beethoven, Ravel und Debussy.

1.12. – 6.00 Uhr
Lang Lang spielt
Beethovens Klavierkonzert Nr. 1.

2.12. – 3.00 Uhr
Schönberg: Moses und Aron.
Ruhrtriennale 2009. Musikalische Leitung: Michael Boder, Inszenierung: Willy Decker. Solisten: Dale Duesing, Andreas Conrad, Ilse
Eerens, Finnur...

Ein Stück für Kenner

Bis heute ist Verdis «Simon Boccanegra» ein Stück für Kenner geblieben. Wunschkonzertmelodien wird man hier vergeblich suchen, dafür aber mit einer im Werk des Komponisten beispiellosen Kompromisslosigkeit konfrontiert. Erreicht hat Verdi sein Ziel erst im zweiten Anlauf, als er die erfolglose Oper 1881, 24 Jahre nach ihrer Uraufführung, mit der dramaturgischen...