Melodiöse Eleganz
Ein französischer Komponist aus der Zeit Ludwigs XIV., dessen Name nicht geläufig ist – das macht zumindest neugierig. Umso mehr, als der selbst im Bielefelder Katalog kaum vertretene Nicolas Bernier (1665-1734) hier mit Kammerkantaten vorgestellt wird, deren Meisterwerke von Campra über Clérambault bis zu Montéclair und Rameau bekannt sind und in zahllosen Einspielungen vorliegen. Zusammen mit Jean-Baptiste Morin war der Caldara-Schüler Bernier der Erste, der um 1700 das italienische Kantatenmodell nach Frankreich importierte.
Zwischen 1703 und 1723 sind in sieben Sammeldrucken insgesamt 39 Kantaten erschienen. Drei davon hat jetzt die junge belgische Sopranistin Lieselot De Wilde ausgewählt und für das niederländische Label Et’Cetera aufgenommen: «Diane», «L’enlèvement de Proserpine» und «Medée». In den von der
griechischen Mythologie inspirierten Texten des Dichters Jean-Baptiste Rousseau erscheint die Unterweltsgöttin Hekate hier in dreierlei Gestalt: als Beschützerin der Jagd, als Göttin der Nacht und als Schutzpatronin Medeas.
Es sind, wie alle französischen Kantaten, Mini-Opern im goût réuni, in denen sich kraftvolle Rezitative im Stil der Tragédie lyrique mit Arien ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert
Die kunstvollen, teils kontrapunktischen Arien, die Ouvertüre und den Schlusschor gab es bereits – erstmals 1727 waren sie in London erklungen, bei der Uraufführung von Händels «Riccardo primo, Re d’Inghilterra» auf ein Libretto von Paolo Antonio Rolli. Als Telemann einen Druck der Gesangsnummern aus «Riccardo» erhielt, erschien ihm eine Aufführung in Hamburg...
Vielleicht lag’s an der Zueignung. Vielleicht hätten Hans Werner Henze und sein Librettist Ernst Schnabel ihr Oratorio volgare e militare nicht dem kurz zuvor ermordeten kubanischen Revolutionsführer Che Guevara widmen sollen. Vielleicht wäre es genug der politischen (An-)Rede gewesen, sie hätten sich, wie dies jüngst dem österreichischen Schriftsteller Franzobel...
«Musik habe ich gar keine gehört.» So soll ein biederer Schweizer einst Richard Strauss geantwortet haben, als der ihn nach einer Basler Aufführung der «Elektra» gefragt hatte, wie ihm die Oper gefallen habe. Der Eidgenosse fand das expressionistische Ausrasten «großartig». Aber war da überhaupt Musik?
Salvatore Sciarrino und Richard Strauss in einem Atemzug zu...
