Melancholie und Körperdampf
Oft saß er im Wirtshaus und notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm, ließ seine Kompositionen davon überfließen, begegnete dabei der seltsam «hinkenden» Sprechweise dieses Landstrichs, ihrem unorthodoxen Sprachrhythmus unendlich liebevoll. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer schlampigen Flüchtigkeit den Wirtshausgesprächen ähnlich. Das war Leos Janácek.
«Es ist oft sehr schwer zu rekonstruieren, was er wirklich wollte», sagte uns in diesem Zusammenhang der renommierte Janácek-Dirigent Tomás Hanus. «Er hat auf einem weißen Blatt Papier die Linien gezogen und dann sozusagen die Noten hineingewühlt ...» Wobei die mährische Folklore bei seinen Kompositionen stets gegenwärtig war. «An das Spiel [...] noch lebender Fiedler, Zymbalspieler und Sackpfeifer knüpfen wir mit unseren Werken an ...», schrieb er. Janáceks Lieder sind vor allem Bearbeitungen jener mährischen Folklore; er las sie den Bauern sozusagen von den Lippen ab. «Nur aus dem lebendigen Volkslied entspringt die Kunstform des Liedes», notierte er. Stets suchte er in seinen Bearbeitungen die Natürlichkeit der Melodie zu wahren, ließ das ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
JUBILARE
Die Sopranistin Christine Weidinger wurde 1946 in Springville, New York, geboren und studierte Gesang an der Arizona State University in Tempe, am San Fernando State College und an der Indiana University in Bloomington. 1972 debütierte sie an der Central City Opera Company als Cherubino in «Figaros Hochzeit». Im selben Jahr gewann sie einen...
Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten», dichtete Schiller 1795 fast stammbuchhaft. Etwa eineinhalb Jahrhunderte später freilich, nach 1945, galt das Lied vielen Tonschöpfern als antiquiert; sie ließen es allenfalls als Parodie weiterleben. Doch einige der avancierten Komponisten akzeptierten dieses Abdrängen in ein ästhetisches Getto...
Nächstes Jahr ist Schluss. Schluss mit den anstrengenden, zeitraubenden Auftritten auf der Opernbühne. Die Marschallin will Renée Fleming noch einmal geben, in der kommenden Saison, wenn Christoph Waltz seine «Rosenkavalier»-Inszenierung aus Antwerpen an Covent Garden auffrischt (mit Andris Nelsons am Pult). Und dann ein letztes Mal an der Met. «Niemand soll sagen...
