Melancholie, mon amour
Nanu, was haben wir denn da? Donna Anna in anderen Umständen? Noch während die Staatskapelle Weimar und ihr (zum Saisonende scheidender) GMD Kirill Karabits auf sprungfedernden Füßen durch die Ouvertüre flitzen, steht Heike Porstein im Brautkleid auf einem Podest im Bühnenrückraum und streicht ihre Hände sanft über den gewölbten Bauch. Zu ihrer Rechten, im bügelfaltenfreien cremefarbenen Anzug, Don Ottavio (Artjom Korotkov), ein leicht blässlicher Gentleman, allzeit bereit, der Dame seines Herzens beizustehen.
Die Frage ist nur: Stammt das neue Menschenkind von ihm?
Die Antwort auf diese pikante Frage erhalten wir wenige Opernminuten später. Der Komtur ist tot. Seine Tochter, mittlerweile im schwarzen Doňa Rosita-Kleid, ihr Verlobter und ein Knabe in kurzen Hosen (Ivan Karabits) trauern lilienbewehrt vor seinem Bildnis, während der Mörder immer noch mit der Pistole herumfuchtelt, die zuvor den Adeligen proletarisch kaltblütig zur Strecke brachte. Es ist die Haarfarbe des Jungen, die alles erklärt. Flammendes Rot, wie bei seinem Vater – wie bei Don Giovanni.
Der ist in Demis Volpis zunächst spielerisch-humoriger, dann hintersinnig-poetischer Inszenierung am Deutschen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Jürgen Otten
Man schrieb das Jahr 1996 in den Annalen des Rossini Opera Festival: Juan Diego Flórez sollte eigentlich die kleine Rolle des Ernesto in «Ricciardo e Zoraide» singen, übernahm aber stattdessen die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran» – und wurde über Nacht zum Star. Seitdem kehrt er ungefähr alle zwei Jahre zu dem Festival zurück, das im italienischen...
Musik wie hinter einem Schleier, erkennbar und fremd, tieftraurig und schwelgerisch schön. Oboen setzen mit einer Klagebewegung ein, der Chor öffnet in sanfter Wiegenbewegung den Klangraum nach oben: «Zu dir in Demut eil’ ich, mach du mich fromm und rein.» Der Sohn ist tot. Ein Hoffnungsträger wurde geschlachtet. Golgatha ist nah, Bachs «Matthäus-Passion» auch....
Ein Gipfeltreffen der besonderen Art: Birgit Nilsson und Leonard Bernstein in ihrer einzigen gemeinsamen Aufnahme. «Fidelio», konzertant in Rom 1970. Dabei war das Ganze eigentlich nur eine Art Generalprobe. Bernstein hatte «Fidelio» bei den Wiener Festwochen des Beethoven-Jahres 1970 zugesagt, aber noch nicht dirigiert. Debüts in prominentem Rahmen waren damals...
