Meister und Margarita
Unter ihrem neuen Künstlerischen Leiter Yuval Sharon hat die Detroit Opera nicht nur ihre künstlerischen Ambitionen hochgeschraubt, sondern auch den Horizont in Sachen Inklusivität erweitert: Die Inszenierung von Osvaldo Golijovs «Ainadamar» («Der Brunnen der Tränen») war die erste spanischsprachige Produktion des Hauses – und das vor einem auffällig diversen Publikum.
Der Oper des argentinischen Komponisten, die, grosso modo eher von schlichter Machart, mit elektronischen Klängen und Allusionen an spanische Popularmusik angereichert ist, liegt ein Libretto von David Henry Hwang zugrunde – eine Art Meditation über die Kunst in Krisenzeiten.
Die Geschichte, von Golijov zur ritualhaftmusikalischen Passion verdichtet, spielt im Uruguay des Jahres 1969: Die Schauspielerin Margarita Xirgu, legendäre Muse von Federico García Lorca (der 1936 von Francos Soldaten ermordet wurde, während sie nach Südamerika fliehen konnte), bereitet sich wieder einmal auf die Rolle von Lorcas ikonisch-revolutionärer (und stücktitelgebender) Heroine Mariana Pineda vor. Während sie ihre künstlerischen wie politischen Erfahrungen an die Studentin Nuria weitergibt, erinnert sie sich an die Begegnungen mit dem ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 56
von David Shengold
Nadia Boulanger, die von 1887 bis 1979 lebte, ist eine zentrale Figur der Musik der Moderne – und dennoch sowohl als Mensch wie als Künstlerin nur sehr schwer fassbar. «Sie ist die Musik in Person», sagte Paul Valéry einmal über sie und fügte hinzu: «Die Musik krönte sich für sie stets mit Intelligenz.» Von ihrem Wirken als Komponistin zeugen zahlreiche Werke aus...
Das Werk ist unzeitgemäß […] Ich kann, was ich will, aber sie verstehen es nicht», erklärte Franz Schreker so schroff wie selbstbewusst, als seine Oper «Der singende Teufel» 1928 bei ihrer Uraufführung durchfiel. Die Kürzungen, die er vornahm, machten es nicht besser. Die einzige Wiederaufnahme nach 1945, John Dews Bielefelder Inszenierung 1989, strich das sperrige...
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
