Bonjour Tristesse
Stille Nacht. Aber keine heilige. Eher eine traurige. Schon jene fünf Akkorde, mit denen Schuberts Lied «Der Doppelgänger» auf Verse von Heinrich Heine anhebt, verraten viel über die Stimmungslage des einsamen Wanderers, wie wir ihn (und sein meist leises Flehen) schon aus der «Winterreise» kennen. Die Liebste ist unerreichbar fern, das Leben ein einziger vergeblicher Kampf.
Und so schleppt sich eben nicht nur der nächtliche Spaziergänger, sondern auch die Musik schweren Schrittes dahin, von h-moll (im Original) über einen Sextakkord auf Fis-Dur, die Tonika-Parallele D-Dur und den leeren dominantischen Quintklang (wie im «Leiermann») zurück in die Finsternis der Haupttonart.
Daniel Heide, derzeit einer der vorzüglichsten Liedbegleiter, spielt das ganz und gar unpathetisch, wie ein Kondukt. Und auch Andreas Bauer Kanabas findet für die (nächtlichen) Qualen des bedauernswerten bleichen Gesellen den richtigen Ton: traurig-abgründig, aber ohne jede Larmoyanz, eher nüchtern bilanzierend, doch nur bis zu jenen Worten, die dem Gedicht (und auch dem Lied) seinen Namen liehen: «Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe, / mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe – der Mond zeigt mir ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Jürgen Otten
Hanako wartet. Auf Yoshio, mit dem sie einst den Fächer getauscht und für den sie ihre Lebensgrundlage als Geisha aufgegeben hat. Doch als er endlich kommt, ist er für sie nicht mehr derselbe. Auch Penelope erkennt Ulisse nicht mehr, als er nach 20 Jahren aus dem Krieg zurückkehrt. Dennoch kann er sie überzeugen, dass sie genug gemeinsame Erinnerungen teilen, um...
Durchaus fantastisch
Ihre ersten Erfolge feierte sie – in Meiningen. Direkt nach dem Studium erhielt Elīna Garanča ein Festengagement am südthüringischen Staatstheater und startete von dort eine beispiellose Karriere, die sie weltweit an sämtliche große Opernhäuser geführt hat. Das Repertoire der lettischen Mezzosopranistin weist dabei eine beeindruckende Vielfalt...
Das Werk ist unzeitgemäß […] Ich kann, was ich will, aber sie verstehen es nicht», erklärte Franz Schreker so schroff wie selbstbewusst, als seine Oper «Der singende Teufel» 1928 bei ihrer Uraufführung durchfiel. Die Kürzungen, die er vornahm, machten es nicht besser. Die einzige Wiederaufnahme nach 1945, John Dews Bielefelder Inszenierung 1989, strich das sperrige...
