Bildnis einer Dame
Vor vielen Monaten fand eine italienische Musikwissenschaftlerin eine noch unbekannte Oper von Gaetano Donizetti: «Dalinda» – in den ersten zwei Akten quasi deckungsgleich mit Donizettis «Lucrezia Borgia» (1833). Der Rest bis dato: verloren, ungehört. Die verspätete Uraufführung der «Dalinda» Mitte Mai im Konzerthaus Berlin: eine Sensation.
Statt mit der (per definitionem) unehelichen, noch dazu unterdrückten, verdrängten und mit Rufmord bedachten Papsttochter Lucrezia haben wir es hier mit der Perserin Dalinda zu tun, die aus früherer Beziehung einen christlichen Sohn (Ildemaro) hat, nun aber – folgenreich – mit dem persischen Fürst Acmet von Alamut verheiratet ist. Für die halbszenische Inszenierung im Konzerthaus zeichnet die junge Regisseurin Giulia Randazzo verantwortlich. Dezent und klug gestaltet sie die Szenerie, sinnt den Motivationen und Verletzlichkeiten der Protagonisten nach. Dalinda ist dabei keine Unschuldige, hat sie doch Angehörige von fränkischen Rittern einst umbringen lassen. Diese fränkischen Ritter befinden sich aber nun – anlässlich der Feier des Waffenstillstandes zwischen Franken und Sarazenen – im Palast von Persienfürst Acmet. Deutlich vernehmen wir ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Arno Lücker
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
Als US-Präsident Richard Nixon 1972 nach China reiste und eine lange Eiszeit zwischen beiden Staaten mindestens kräftig erwärmte, besuchten er und seine Gattin Pat unter anderem eine Vorführung in einer Turnhalle. Das kommunistische Land und sein «Überragender Führer» Mao Tse-tung wollten die amerikanischen Gäste auch mit einer Leistungsschau in Sachen Gymnastik,...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an jene fernen Zeiten, da Verträge in der Welt der Musik noch abgeschlossen wurden, weil die Unterzeichnenden damit eine Verpflichtung verbanden, im besten Fall sogar Visionen. Ein Vertrag, das war vor allem ein Bündnis, das man schmiedete, weil man «Großes» vorhatte – gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern im Graben oder...
