Mehr Konsonanz, bitte
Elke Heidenreich und ihr Partner, der Komponist Marc-Aurel Floros – sie leiden. Leiden an der zeitgenössischen Musik, an ihrer Unfähigkeit, das Herz zu erreichen. «Die Avantgarde ist geboren aus dem Entsetzen und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts», schreibt Floros. «Diese kann sie auch hervorragend ausdrücken. Aber damit sind ihre Möglichkeiten weitgehend erschöpft. Eine Dissonanz kann nur eine Dissonanz sein, wenn auch konsonante Momente auftreten.
» Also hat er, gemeinsam mit Elke Heidenreich, eine Oper geschrieben, die wieder die Gefühlskammern aufschließen soll, so wie Oper das in den 400 Jahren ihrer Geschichte meist getan hat. An sich eine sympathische Unternehmung. Aber kann man das Rad der Zeit zurückdrehen, ohne mehr als schalen Aufguss zu produzieren?
«Adriana» ist Ende Juli von der Kammeroper Schloss Rheinsberg uraufgeführt worden, in Frank Matthus’ erstem Jahr als Chef. Heidenreich – Schriftstellerin, Literaturkritikerin, leidenschaftliche Opernliebhaberin – hat dazu ein Libretto geschrieben, dem man den brennenden Wunsch nach Schönheit in jeder Zeile anhört, das aber auch seltsam gestanzt und entrückt wirkt. Eine junge Frau, Adriana, steht zwischen zwei Männern. Sie ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Udo Badelt
Zwei Schwestern. Schön, reich und mächtig, von Männern umschwärmt, von Dienern umsorgt. Zwei Schwestern – alt, grau und einsam, verloren in Erinnerungen beim Betrachten eines ausgestopften Tieres hinter Glas.
Katie Mitchell inszeniert zum vierten Mal in Aix. Auch für Händels «Alcina» nutzt sie einen vielfach geteilten Raum, lässt mehrere Szenen gleichzeitig...
Brünnhilde will nicht. «Heil, dir, Sonne!» drei, vier, fünf Meter über dem Boden? «Da kann ich nicht frei singen», sagt Judith Németh. Das Schwanken, der Schwindel, das Herzrasen. Schon der Blick auf die Gondel, in der die Walküre im dritten «Siegfried»-Akt aus der Tiefe auffahren soll, dem Liebeslicht entgegen, bis das wallende Brautkleid die Bühne füllt, macht...
«Alfred», die erste der elf Opern Dvoráks, ist ein Kuriosum. Überall hört man Wagner-Themen in dem gut zweistündigen Dreiakter aus den Jahren 1869/70. Und zwar meist in Situationen, zu denen sie nicht passen. Die gefangenen Briten werden zum Einzug der Wartburggäste herein- und mit dem hinkenden Beckmesser-Motiv wieder abgeführt. König Harald von Dänemark hält...
