Mehr als ein Event
Naumburgs Hauptdarsteller ist seit jeher der romanische Dom. Dem liebevoll renovierten, aber nur selten besuchten Nietzsche-Haus bleibt nur eine Nebenrolle. Der Philosoph verbrachte dort die Jugendzeit und dann sieben Wahnsinnsjahre in mütterlicher Obhut. Er komponierte auch; gleichwohl mochte Hans von Bülow seinen Werken nur «den Wert eines Verbrechens» zuerkennen – andernfalls könnte die Stadt mit ihrem ungeliebten Sohn wenigstens in musikalischer Hinsicht punkten. So aber bleibt es bei der kirchlichen Dominanz, die jetzt sogar noch übermächtiger wird.
Der Dechant hatte eine Opernaufführung im altehrwürdigen Dom angeregt, Naumburgs Theaterintendant Stefan Neugebauer realisierte sie. Die Wahl fiel auf Händels dramatisches Oratorium «Susanna», das sinnliche Sündigkeit bietet, ohne Tugend und Glaubensdemut zu vernachlässigen. Es fußt auf einer Geschichte aus dem Buche Daniel, die unter dem Titel «Susanna im Bade» in die Bildende Kunst Eingang fand: Zwei Lustgreise, ausgestattet mit richterlicher Autorität, beobachten und bedrängen die badende Schönheit, deren Gatte auf Reisen ist. Nachdem alle Annäherungen und ein Vergewaltigungsversuch misslingen, beschuldigen sie die ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Volker Tarnow
Nanu! Ist das nicht Michel Houellebecq? Dieser schmächtige Typ mit strähnigem Haar, der da rauchend im Bett liegt? Der dann sturzbetrunken zur Badewanne torkelt, um sich die Fußnägel zu lackieren?
Ja, zweifellos, er ist es. Der französische Kultautor ist in Elisabeth Stöpplers Inszenierung von Offenbachs letzter Oper «Les contes d’ Hoffmann» omnipräsent: Seine...
Man wundert sich. Man wundert sich über all die Häme und den hasserfüllten Zorn, der Frank Castorfs Inszenierung von Giuseppe Verdis «La forza del destino» an der Deutschen Oper Berlin entgegenschlug, über den emotionalen Furor dieser Ablehnung, der wirkt wie ein eingeschweißter Reflex, wie ein intrikates Ressentiment gegen diesen Regisseur, sein Denken, womöglich...
Ein bisschen stolz sind sie schon, die Musikexperten in der Strasbourger Arte-Zentrale. Seit zehn Jahren ist Arte Concert, die digitale Plattform für Klassik, Oper, Jazz, Pop & Rock, Metal, Electronic, Weltmusik, Bühnenkunst und demnächst auch Barockes, auf Sendung – im Netz, umsonst und rund um die Uhr. Fast vier Millionen mal wurde zwischen September 2018 und...
