Marmor, Stein und Knickhalslaute

Franz Schrekers «Der Schatzgräber» an der Deutschen Oper Berlin

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Franz Schreker war sein eigener Librettist. So konnte er sein musikdramatisches Lebensthema noch kompakter an den Mann bringen: das Verhältnis von Traumwelt und Realwelt, das Mit- und Gegeneinander von Kunst und politischem, privat-lebensweltlichem Alltag. Seine Oper «Der Schatzgräber» entstand in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Nach der Frankfurter Uraufführung 1920 wurde das Stück zum vielgespielten Hit. Denn kaum eine andere Epoche dachte die Gleichzeitigkeit von Utopie und möglichem Zerfall so mit wie die 1920er-Jahre. Das passte offenbar.

Schließlich ist auch im «Schatzgräber» schon allein orchestral von Desillusionierung, vom Herunterreißen des Traumvorhangs die «Rede». Zum Schluss des Schreker’schen Erfolgswerkes singt der Narr (hier tatsächlich eine Hauptfigur): «Was auf Erden verwelkt in Entsagung und Gram, wird in Glück und Freuden im Himmel gedeih’n.» Das Orchester legt ein großflächiges D-Dur hin, in das sich schon so manche «Störtöne» sanft hineinschleichen. Im viertletzten Takt aber wechselt Schreker zu einem völlig klaren d-Moll. Das expliziteste Desillusionierungsmittel der Musik: der Wechsel von Dur zu Moll. 

Nicht erst seit dem musikalischen Barock tönte die ...

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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Arno Lückers

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