Mann ohne Eigenschaften
Die eigentliche Premiere bei der diesjährigen Bayreuther Eröffnung bestand darin, dass es die Premiere des Vorjahres war. Kein Ruhmesblatt der Disposition und in der Geschichte der Festspiele noch nie dagewesen. Bundeskanzlerin und Bundespräsident kamen gemeinsam, auch das eine Premiere, aber im Wagner-Jahr keine Überraschung. Die Festspielleiterinnen dagegen zeigten sich nicht. Ausgerechnet im Wagner-Jahr. Zu heikel das Protokoll, sagen die einen. Angst vor einem Attentat, sagen andere.
Jedenfalls kletterten Sicherheitsbeamte auf dem Gerüst hinter der Plane, die die Fassade des Festspielhauses verbirgt und zitiert.
Musikalisch fiel der «Holländer» teils frischer, teils fader aus als letzten Sommer (siehe OW 9-10/ 2012). Frischer, weil Christian Thielemann und das Festspielorchester schon in der Ouvertüre für wilden, aber nie wüsten Wellengang sorgten. Ohne Metapher formuliert: Die chromatischen Streicherpassagen (Wagner notiert sie im Sechs-Achtel-Takt) wurden zielgerichtet phrasiert, das metrische Gerüst und seine Aushebelung gleichzeitig hörbar. Die Chöre (Eberhard Friedrich) waren dynamisch fein austariert, das heißt: nie zu laut, selbstgefällig oder wunschkonzerthaft. So ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Stephan Mösch
arte
1.9. – 12.30 Uhr (Teil 5)
8.9. – 12.30 Uhr (Teil 6)
Wagner versus Verdi.
Dokumentation. 5. Der Gesang. Film von Thomas Macho.
6. ... und wie ihre Musik wirkt. Mit Christian Thielemann, Rolando Villazón, Gwyneth Jones, Elio Bataglia, Konstantin Wecker, Christian Brandauer u. a.
1.9. – 16.55 Uhr
Ein Stück von meiner Seele.
Dokumentation von Annette Schreier über Sol...
Es gibt ein Nachspiel. Da steht der Regisseur Frank Castorf im Buhgewitter vor dem Vorhang des Bayreuther Festspielhauses und steht und steht. Er will einfach nicht abgehen, schaut auf die Uhr, schaut auf die wütende Menge, zeigt ihr den Vogel. Will er etwas sagen? Das Publikum will es jedenfalls nicht hören. Immerhin hatte Castorf sechzehn Stunden Zeit, alles zum...
Die Stimme ist dunkler und voller geworden, hat sich vom lyrischen Sopran zum lirico spinto mit substanzreichen Tönen in der tiefen Lage entwickelt, die gerade für die
Partie der Lady Macbeth unerlässlich sind. In der ersten Szene der Lady erweist sich Anna Netrebko als veritable donna di forza. Für das Lesen des Briefes («Nel dì della vittoria io le incontrai»)...
