Eine Enttarnung

Peter Konwitschny und seine provokant-witzige Deutung von Verdis «Attila» am Theater an der Wien

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Hysterische Zwischenrufe während Theateraufführungen haben etwas von fäkalen Bauchlauten nach einem reichhaltigen Essen: Zwar kontaminieren sie die Atmosphäre, doch künden sie auch von intensiver Reaktion auf die Materie. Im Theater an der Wien, bei Verdis «Attila» in Peter Konwitsch­nys Inszenierung, gab es während der Premiere ­einen Entrüstungssturm, lautstarke Scharmützel zwischen Gegnern und Anhängern, auch manch verbales Gerülpse unter der Gürtellinie.

Eine renommierte deutsche Tageszeitung jubelte: Endlich wieder ein zünftiger Opernskandal!

In der hier beschriebenen dritten Vorstellung blieb es in dieser Hinsicht zivil; dafür kündete das Buch im Foyer, das normalerweise die Adressen von Informationsbedürftigen aufnimmt, vom Frust mancher Besucher – darunter auch solcher aus Italien. «Vergogna», Schande, hatte einer geschrieben, und natürlich das Übliche: «Povero Verdi!». Daneben ein etwas unleserlicher Name, den man auch als «Adorno» hätte entziffern können.

Kryptischer Hinweis eines Insiders? Der Philosoph war vor mehr als einem halben Jahrhundert in seiner «Einleitung in die Musiksoziologie» ja mit der Darstellbarkeit von Oper scharf ins Gericht gegangen: «Unablässig hat ...

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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Gerhard Persché

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