«Man ist selbst die Stimme»
Frau Gens, glauben Sie wie ich, dass Frauen die Launen des Schicksals besser aushalten können, weil sie stärker sind als Männer?
Ich weiß nicht, ob sie stärker sind. Aber es ist richtig, dass die Zahl der Frauen, die tragische Dinge erleben, die verzweifelt sind, von ihren Ehemännern oder Geliebten verlassen werden oder sogar sterben, sehr groß ist. Und es ist deswegen richtig, was Sie sagen. Gleichwohl liegt es in der Natur der Sache, dass diese Rolle den Frauen zugeschrieben wird. Die Männer auf der Opernbühne sind ja meist nicht wirklich nett zu den Frauen.
Nicht nur in der Oper ist das so, es gilt mit Ausnahmen ebenso fürs Theater und für die Literatur, in Ansätzen sogar für die Bildende Kunst.
(lacht) Ja. Und jeder weiß das.
Aber meine Frage ist damit noch nicht beantwortet: Sind Frauen stärker?
Vielleicht ja.
Weil sie stärker sein müssen?
Ja. Vermutlich haben sie keine andere Chance. Es passiert eben zu oft, dass sie verlassen und betrogen werden. Was sollen sie machen?
Sie meinen auf der Bühne? Oder auch im Leben?
Natürlich sprechen wir hier nur über die Bühne, nicht übers Leben. Dort passiert so etwas auch, aber das ist eine andere Geschichte. Es ist wahr, dass es in der Musik ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
CD-Kritik: Tragediennes 2
«Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein», singt Sophie am Schluss ätherisch weltentrückt, als könne sie selbst noch nicht ganz fassen, was mit ihr geschehen ist. Für Stefan Herheim ist die halb imaginäre, halb reale Welt, die Hofmannsthal und Strauss in ihrer «Komödie für Musik» zu einem kunstvollen Ganzen ineinandergefügt haben, Traumtheater – ein modernes...
In der Rockmusik und im Jazz ist die «All Star Band» eine feste Größe. Ihr wesentlicher Daseinszweck: mit klingendem Promi-Namen Kasse machen. Eine Marketing-Strategie, die längst auch zum Alltag der Klassikbranche gehört. Die «3 Tenöre» machten nur den Anfang. Solche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man die Neueinspielung von Verdis «Requiem» hört, die im...
Die Südkoreanerin Eunju Kwon (24) hat den mit 15 000 Euro dotierten Ersten Preis des Internationalen Gesangswettbewerbs «Neue Stimmen» der in Gütersloh ansässigen Bertelsmann Stiftung gewonnen. Die Sopranistin überzeugte die Jury unter dem Vorsitz von Dominique Meyer mit den Arien «No word from Tom» aus der Oper «The Rake’s Progress» von Igor Strawinsky und «Eccomi...
