Auf dem Weg nach oben
Jeder neue Veranstaltungsort der darstellenden Künste strebt danach, zwei Kriterien zu erfüllen: ein äußeres Erscheinungsbild, das das Publikum anzieht wie ein Magnet, und ein Interieur, das den Besuchern ein Gefühl behaglicher Wärme und Intimität vermittelt. Das Winspear Opera House in Dallas erreicht nicht nur beide Ziele, es überwältigt seine Besucher in jeglicher Hinsicht. Die Eröffnungsvorstellung des Hauses am 23. Oktober – Verdis «Otello» – konnte sich, trotz einiger Defizite, an den Standards der neuen Spielstätte messen.
Graeme Jenkins war der Held der Galapremiere. Seit 1994 ist er GMD der Dallas Opera und hat seither ein beeindruckendes Ensemble versammelt. Bei seinem «Otello»-Dirigat wurde besonders deutlich, wie viel Verdi von seinem Erzrivalen jenseits der Alpen gelernt hat: Das Orchester agiert gewissermaßen als führendes Ensemblemitglied, das effektvoll ins Musikdrama eingebunden ist. In Dallas kam das plastisch heraus.
Die Besetzung der Titelrolle mit Clifton Forbis erfolgte zum Teil aus nostalgischen Gründen: Vor 20 Jahren sang der Tenor im Chor der Dallas Opera. Bei aller Verlässlichkeit und sängerischen Intelligenz stand er freilich nie an der Spitze der ...
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Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Wes Blomster, Übersetzung: Marc Staudacher
«Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein», singt Sophie am Schluss ätherisch weltentrückt, als könne sie selbst noch nicht ganz fassen, was mit ihr geschehen ist. Für Stefan Herheim ist die halb imaginäre, halb reale Welt, die Hofmannsthal und Strauss in ihrer «Komödie für Musik» zu einem kunstvollen Ganzen ineinandergefügt haben, Traumtheater – ein modernes...
Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste....
Der Anfang kündet schon vom Ende. Noch während der Ouvertüre zu «Roméo et Juliette» (von Evan Christ und dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus in üppigen, regenwolkenschweren Klangfarben auf die imaginäre Leinwand gepinselt) hebt sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine Beerdigungsszene. Die Familiengruft der Capulets. Es tritt hinein...
