Mainstream mit Familie Muti
Man kennt das schon, jede Premiere eine Zitterpartie. Spielen sie noch oder streiken sie schon? Schon die Saisoneröffnung an der hoch verschuldeten Opera di Roma mit Verdis «Ernani» unter Riccardo Muti war im vergangenen November akut gefährdet, weil die Gewerkschaften mit einem Ausstand gedroht hatten. Im Dezember 2013 bekam das Haus einen externen Kommissar zugewiesen, der eine Pleite abwenden sollte.
Nun, Ende Februar, drei Tage vor der ersten Aufführung einer neuen «Manon Lescaut», wiederum unter Mutis Leitung und inszeniert von des Maestros Tochter Chiara, kursierten erneut Streikgerüchte. Der römische Bürgermeister Ignazio Marino drohte sogar mit der Schließung des Hauses, falls die Puccini-Premiere platzen sollte. Das zeigte Wirkung, «Manon Lescaut» war gerettet, abermals im letzten Augenblick.
Am Ende des Premierenabends entlud sich die brisante, polarisierte Stimmung – erbitterte hausinterne Feindseligkeiten, eine radikalisierte Fangemeinde, moralisierende Entrüstung angesichts der künstlerischen Vereinnahmung dieser «Manon» durch Familie Muti – in einem Sturm aus Standing Ovations und vehementen Buhs. Zuspruch wie Zorn richteten sich an die Adresse aller Beteiligten, ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Carlo Vitali
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