Magie des Theaters
Irgendwann einmal wird man hoffentlich nicht mehr erzählen, wie eine Operninszenierung mit den herrschenden Hygieneregeln umgeht. Aber noch ist es interessant zu sehen, dass es kluge Lösungen gibt, die nichts von einem Behelf haben, die in sich sinnstiftend sind. Fällt es noch relativ leicht, die Solisten auf Abstand zueinander auf der Bühne zu halten, so bleiben zwei Probleme: der Chor und das Orchester. Das man auch dies lösen kann, zeigt das Theater Regensburg mit Verdis «Otello».
Bemerkenswert ist zunächst, dass ein Haus von der Größe des Theaters Regensburg die Besetzung (und das sehr überzeugend) ausschließlich mit Ensemblemitgliedern gewährleisten kann, selbst die der Titelpartie. Im Graben sitzen zwar nur 21 Musiker, aber bis auf wenige Stellen, in denen es schon ein paar Geigen mehr sein dürften, formt der Regensburger Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin wieder einmal ein schönes Beispiel für zupackende, aufregende Theatermusik.
Den Chor räumt Regisseurin Verena Stoiber sorgfältig auf. Sophia Schneider hat ihm eine Wand mit 30 Waben in drei Etagen gebaut, aus denen heraus bienenfleißig gerade nach vorne gesungen wird, eine beeindruckende Klangfläche, die, dreht man sie um, ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Egbert Tholl
Metronome klicken und klacken gleich einer kakophonischen Fuge. Die jeden Klavierschüler nervenden Dinger lernen laufen, unter Wasser sogar, wo sie auf den grimmig dreinblickenden Herrn Beethoven treffen, der just hier unten, in den Tiefen des Rheins, der fernen Geliebten in diversen erotischen Unterwasserstellungen näherkommen darf, als es da oben auf Erden...
Ihre Exzellenz war sichtlich not amused. Eines Kaisers und Königs unwürdig sei das, was sie da am Abend des 6. September 1791 auf der Bühne des Prager Nationaltheaters gesehen habe, schlimmer noch, «una porcheria tedesca», eine deutsche Sauerei. Weit gefehlt, möchte man der strengen Katholikin Maria Ludovica posthum zuraunen. «La clemenza di Tito» auf ein Libretto...
Im Anfang ist nicht das Wort. Sondern festliche Musik, wiewohl ironisch verfremdet. Das Orchester spielt die Introduktion zum dritten Akt von Händels «Salomo», aus der Tiefe des Raums kommt Valery Tscheplanova, auf High Heels, im hautengem Kostüm, in Händen die sternenbekränzte USA-Flagge. Einzug der Königin von Saba? Ja und Nein. Ja, weil erotische Energien...
