Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Zazà auf der Suche nach dem Glück. Als ob sie eine Betonwand mit Sonnenlicht bemalen wollte. Sie ist étoile eines Tingeltangels in Saint-Etienne, Männer umschwirr’n sie wie Motten das Licht. Doch sie fordert aufgrund ihrer unglücklichen Kindheit ein Recht auf echte Liebe ein – die, so ihr Irrglaube, hat sie bei Milio Dufresne gefunden. Aber der bourgeoise Geschäftsmann hat Frau und Tochter in Paris und denkt nicht im Traum daran, diese zu verlassen. Zazà bleibt der großmütige Verzicht und ein wehes Herz.
Die Handlung der nach ihrer Protagonistin benannten Commedia lirica Ruggero Leoncavallos ist so bitter wie zeitlos und häufig. Eine Dreigroschenstory directement au cœur – nun fesselnd wiederbelebt von Christof Loy im Theater an der Wien. Mitten in den Verismo hineingeboren, kam das Stück im Jahr 1900 in Mailand heraus, wobei der Komponist selbst das Libretto verfasste (nach einem Schauspiel von Berton & Simon und auch aufgrund von eigenen Erfahrungen als Pianist im Varieté). «Zazà» wurde indes nie so populär wie Leoncavallos Chef-d’œuvre «I pagliacci». Dabei hatte auch diese Oper überaus kundige Geburtshelfer: Maestro Arturo Toscanini und Diva Rosina Storchio. Manchen schien das ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard Persché
Im Anfang ist nicht das Wort. Sondern festliche Musik, wiewohl ironisch verfremdet. Das Orchester spielt die Introduktion zum dritten Akt von Händels «Salomo», aus der Tiefe des Raums kommt Valery Tscheplanova, auf High Heels, im hautengem Kostüm, in Händen die sternenbekränzte USA-Flagge. Einzug der Königin von Saba? Ja und Nein. Ja, weil erotische Energien...
Frau de Beer, Sie sind seit einigen Jahren eine der gefragtesten Regisseurinnen der jüngeren Generation. Zittern Sie dennoch zuweilen und stellen sich die Frage: «Wollen die mich noch?»
Ich zittere immer. Auch dann, wenn ich Anfragen für die nächsten zwölf Monate habe, aber für das Jahr danach noch gar nichts.
Ist das ein Grundgefühl auch während der Arbeit?
Nein,...
In der rheinischen Mundart gibt es einen Spruch von enormer Weltgültigkeit, den man ins Hochdeutsche übersetzen muss, damit ihn auch Hessen und Schwaben verstehen. Er lautet (grammatisch schief, aber egal): Es gibt kein größeres Leid, als was man sich selbst antut.
In unserem Fall bezieht sich der Satz auf die neue Box mit Aufnahmen des vor 50 Jahren gestorbenen...
