Affekt und Schönklang
Es ist ein gewaltiger Sprung, den sich Agneta Eichenholz mit ihrer Alcina zutraut: Von der Lulu, mit der sie vor knapp zwei Jahren an Covent Garden den internationalen Durchbruch feierte, zu Händels Zauberin zu wechseln, heißt vom Opfer zur Täterin werden, von der Kindfrau zum männerverzehrenden Vamp.
Dass die Schwedin auch das Format für die reife Femme fatale hat, wird bei ihrem Rollendebüt an Göteborgs Oper bald klar: Schon was die Expansionsfähigkeit ihres leicht metallischen Soprans angeht, ragt Eichenholz aus dem Ensemble und wächst mit ihren beiden großen Arien «Ah, mio cor» und «Ombre pallide» zu tragischem Heroinen-Format. Dass Eichenholz keine genuine Barock-Sängerin ist und beispielsweise ein Triller bei ihr kaum anders klingt als ein Vibrato, stört eher am Rande – eine spannungsvollere Artikulation des Textes, der mit Worten wie «tradito» und «schernito» schließlich dramatische Steilvorlagen en masse bietet, wird sich hoffentlich im Laufe der Aufführungen entwickeln.
Wie viele skandinavische Häuser versucht auch Göteborg, seine Produktionen mit heimischen Kräften zu besetzen. In Schweden funktioniert das angesichts einer ausgezeichneten Ausbildung, die immer wieder ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jörg Königsdorf
«Man kann sich selbst nicht sehen…, Geschichten gibt es nur von außen…, daher unsere Gier nach Geschichten!» – Sätze aus Max Frischs Roman «Mein Name sei Gantenbein», die der Regisseur Lorenzo Fioroni ins Programmheft seiner Osnabrücker Inszenierung von Jacques Offenbachs fantastischer Oper «Les Contes d’Hoffmann» setzen ließ (Premiere am 15. Januar 2011). Was dort...
Sambafieber erwartet man in einer brasilianischen Oper des späten 19. Jahrhunderts vergebens. Mestizische Leidenschaften werden ein gutes halbes Jahrhundert später in Epen, Romanen und Gedichten von Rosa, Amado oder Andrade beschworen, ein wenig früher bereits in der immensen Musikproduktion von Heitor Villa-Lobos. Kunstmusikalisch orientiert sich der riesige...
Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an...
