Affekt und Schönklang

Göteborg: Händel: Alcina

Opernwelt - Logo

Es ist ein gewaltiger Sprung, den sich Agneta Eichenholz mit ihrer Alcina zutraut: Von der Lulu, mit der sie vor knapp zwei Jahren an Covent Garden den internationalen Durchbruch feierte, zu Händels Zauberin zu wechseln, heißt vom Opfer zur Täterin werden, von der Kindfrau zum männerverzehrenden Vamp.

Dass die Schwedin auch das Format für die reife Femme fatale hat, wird bei ihrem Rollendebüt an Göteborgs Oper bald klar: Schon was die Expansionsfähigkeit ihres leicht metallischen Soprans angeht, ragt Eichenholz aus dem Ensemble und wächst mit ihren beiden großen Arien «Ah, mio cor» und «Ombre pallide» zu tragischem Heroinen-Format. Dass Eichenholz keine genuine Barock-Sängerin ist und beispielsweise ein Triller bei ihr kaum anders klingt als ein Vibrato, stört eher am Rande – eine spannungsvollere Artikulation des Textes, der mit Worten wie «tradito» und «schernito» schließlich dramatische Steilvorlagen en masse bietet, wird sich hoffentlich im Laufe der Aufführungen entwickeln.

Wie viele skandinavische Häuser versucht auch Göteborg, seine Produktionen mit heimischen Kräften zu besetzen. In Schweden funktioniert das angesichts einer ausgezeichneten Ausbildung, die immer wieder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jörg Königsdorf

Weitere Beiträge
Blütenreich und Nachtschatten

Es muss kein Nachteil sein, wenn auch das Auge sich an Sängern erfreuen kann. Karrieren freilich, bei denen die Optik der Akustik den Rang abläuft, haben sich häufig als prekär erwiesen – obwohl man mit Künstlerinnen wie Anna Netrebko oder Elina Garanca in dieser Hinsicht auch Glück hatte. Oder mit Kate Royal, deren Familienname wie die Erfindung eines...

Karajan contra Böhm

Als «das größte gesellschaftliche Ereignis seit der englischen Krönung» wurde die Wiedereröffnung der im Krieg zerstörten Wiener Staatsoper von Publikum und Presse wahrgenommen. Prominenz aus aller Welt war angereist, und das noch in den Kinderschuhen steckende Fernsehen übertrug live, als am 5. November 1955 im neu aufgebauten Theater der Vorhang zum «Fidelio»...

Mythos – demaskiert

Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.

David McVicar gelangt an der...