Mäh, Muh, Meck
Es ist nicht bekannt, wie viele Stunden Dietmar Dath pro Tag in Morpheus’ Armen verbringt. Aber wir vermuten: Es sind eher wenige. Ein Buch nach dem anderen verfasst dieser Vielbegabte, und das in einem solch aberwitzigen Tempo, dass sich die Vermutung aufdrängt, er könne die Themen, denen er sich widmet, nicht wahrhaft durchdringen. Allein, er vermag es, unabhängig vom Genre und den behandelten Topoi.
Daths Schatzkiste ist prall gefüllt, nicht nur mit brillanten wissenschaftlichen und gesellschaftstheoretischen Schriften – darunter vor allem «Die Abschaffung der Arten» und, gemeinsam mit Barbara Kirchner, «Der Implex». Im breiten Œuvre dieses fabulierfreudig-intellektuellen Schriftstellers findet sich darüber hinaus auch noch manch belletristisches Glanzstück.
Nun hat Dath, nein, kein Libretto, sondern einen «Text» für eine «Oper» geschrieben, die vom Staatstheater Kassel in Auftrag gegeben und durch die Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert wurde: Ob allerdings Felix Leuschners «Einbruch mehrerer Dunkelheiten» überhaupt der Gattung zuzuordnen sei, steht zumindest zur Diskussion. Das Stück ist wohl doch mehr ein Diskurstheater mit einer vielfältig mäandernden, ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
Immer mit einem Fez auf dem Kopf für die Touristen herumstehen, das fetzt auch nicht so richtig. Also wirft Rafał Tomkiewicz als Nireno den Kaftan ab und legt einen Bauchtanz hin, während ein Klavier die barocke Orchesterbegleitung ins Kaffeehaus verlegt, zu finden wahrscheinlich im filmmythischen Casablanca. Der musikalische Leiter macht das willig mit,...
Im Beethoven-Jahr 2020 hatte René Jacobs mit seiner CD-Neuaufnahme die erste der drei überlieferten Fassungen des «Fidelio», die «Ur-Leonore» von 1805, zur einzig gültigen Version erklärt. Von der Attraktivität des «Ursprungs» offensichtlich verführt, präsentiert er jetzt eine, so der Werbe-Slogan, «noch nie gehörte Deutung» des «Freischütz», die in Teilen...
Die Oper «Giulio Cesare in Egitto» verdiente eher den Titel «Cleopatra diventa regina seducendo Cesare»: Kleopatra wird Königin, indem sie Cäsar verführt – so ließe sich der Inhalt von Händels 1724 uraufgeführtem Dreiakter wohl triftiger zusammenfassen. Die letzte Herrscherin des Pharaonenreiches wird darin mit nicht weniger als acht Arien bedacht. Damit singt sie...
