Mäh, Muh, Meck
Es ist nicht bekannt, wie viele Stunden Dietmar Dath pro Tag in Morpheus’ Armen verbringt. Aber wir vermuten: Es sind eher wenige. Ein Buch nach dem anderen verfasst dieser Vielbegabte, und das in einem solch aberwitzigen Tempo, dass sich die Vermutung aufdrängt, er könne die Themen, denen er sich widmet, nicht wahrhaft durchdringen. Allein, er vermag es, unabhängig vom Genre und den behandelten Topoi.
Daths Schatzkiste ist prall gefüllt, nicht nur mit brillanten wissenschaftlichen und gesellschaftstheoretischen Schriften – darunter vor allem «Die Abschaffung der Arten» und, gemeinsam mit Barbara Kirchner, «Der Implex». Im breiten Œuvre dieses fabulierfreudig-intellektuellen Schriftstellers findet sich darüber hinaus auch noch manch belletristisches Glanzstück.
Nun hat Dath, nein, kein Libretto, sondern einen «Text» für eine «Oper» geschrieben, die vom Staatstheater Kassel in Auftrag gegeben und durch die Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert wurde: Ob allerdings Felix Leuschners «Einbruch mehrerer Dunkelheiten» überhaupt der Gattung zuzuordnen sei, steht zumindest zur Diskussion. Das Stück ist wohl doch mehr ein Diskurstheater mit einer vielfältig mäandernden, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
Den nationalen Theaterpreis «Goldene Maske» öffentlich zu verleihen, wie es bislang 28 Mal üblich war, ist in Krisenzeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Man weiß in Russland um die starken emotionalen Reaktionen der Theatermacher und kann sich ausmalen, wie sie bei ihren Bühnenauftritten in der einen oder anderen Form ihren Protest gegen den Krieg zum Ausdruck...
Der Dunst der Dekadenz schwebt über den üppig orchestrierten Klängen des Italo Montemezzi. «L'amore dei tre re» atmet die Schwüle des Fin de Siècle. Am 10. April 1913 wurde das Poema tragico an der Mailänder Scala gleichwohl zu einem Uraufführungstriumph, der kurz darauf vom Erfolg der (von Arturo Toscanini an der Met dirigierten) USA-Premiere noch übertroffen...
Man liest es und staunt. «Angelica diabolica». Ist das nicht eigentlich ein Oxymoron, gewissermaßen eine contradictio in adiecto? Nicht nur, dass man sogleich Puccinis sehnende Schwester im Sinn hat, die von allem möglichen besessen sein mag (vor allem von der tatkräftigen Liebe), nicht aber vom Teufel: Schon das reine Wort hat doch eigentlich einen Engel im Sinn....
