Made in Sweden
Fünf Tage später bekam Plácido Domingo mit viel Mediengetöse den (undotierten) Echo-Klassik für sein Lebenswerk. Schön. Aber was besagt das schon? Der Echo-Klassik ist eine Schulterklopf-Party der Plattenindustrie, im Grunde eine Werbeveranstaltung. Und als solche hat er mit Kunst wenig zu tun. Deshalb ist es viel wichtiger, dass Domingo am 13. Oktober im Goldrund der Königlichen Oper von Stockholm den Birgit-Nilsson-Preis bekam. Die große schwedische Sopranistin hatte keine Kinder und ließ ihr Geld sukzessive in eine nach ihr benannte Stiftung fließen.
Aus den Erträgen des Stiftungsvermögens wird nun (alle zwei oder drei Jahre, das ist noch offen) der Preis in Höhe von einer Million Dollar finanziert (plus Nebenkosten für Gala, PR-Agenturen etc., auch das keine Kleinigkeit). Es geht also – trotz Premium Imperiale, Polar-Musikpreis und Siemens-Musikpreis – um die größte Auszeichnung der Musikwelt. Vor allem: Sie soll einer Sängerin oder einem Sänger gelten, möglicherweise auch einem Dirigenten. Keinem Komponisten also (für die gibt es genug andere Preise), sondern einem nachschaffenden Künstler. So wollte es Birgit Nilsson, und sie hat Plácido Domingo schon in den neunziger Jahren ...
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