Macht am Rhein
Es gehört wohl zu den anthropologischen Konstanten, dass sich im subjektiven Rückblick die Dinge umso mehr verklären, je weiter sie in der Vergangenheit liegen. Der oft im Brustton der Überzeugung vorgetragene Glaubenssatz, dass früher alles besser gewesen sei, ist dabei natürlich meist weniger fundiertes Lob des Gewesenen als Ausdruck des Unbehagens an einer als unübersichtlich oder unwirtlich empfundenen Gegenwart. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, und eine dieser Ausnahmen ist fraglos die Geschichte der Deutschen Oper am Rhein.
Wer die über fünf Jahrzehnte ausgespannte Entwicklung dieses im September 1956 mit Spielstätten in Düsseldorf und Duisburg gegründeten Instituts an Hand von Augenzeugenberichten, Besetzungslisten und Tondokumenten Revue passieren lässt, wird sich schwerlich der Einsicht verweigern können, dass es seine besten Zeiten nicht unbedingt im Hier und Heute hatte.
Ein Grund für die Ausstrahlung des Zwei-Städte-Hauses schon in der frühen Phase seiner Existenz: Es entpuppte sich dank einer erlesenen, bis heute gepflegten Ensemblekultur als Sprungbrett (und emotionale Heimat) für viele Künstler, die in Düsseldorf und Duisburg gleichsam die Grundausstattung ...
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Für die letzte Saison, die er als Künstlerischer Leiter des Edinburgh Festivals verantwortete, hatte Sir Brian McMaster bei einem jungen schottischen Komponisten mit rapide wachsendem Ruf ein neues Stück in Auftrag gegeben und das Royal Opera House in London als Partner gewonnen. Stuart MacRae, 1976 in Inverness geboren, wurde mit einigen Instrumentalwerken...
Gefängnisse waren in der Operngeschichte immer Stellwerke zwischen Leben und Tod. Wir wurden der Dunkelheiten in «Fidelio» gewahr, sahen die trügerischen Sterne über der Engelsburg in «Tosca», tauchten ein ins fahle Freiheitslicht in Janáceks «Totenhaus», ins Straflager von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk», in die Alpträume von Dallapiccolas «Il...
Es gab eine Zeit, da waren seine Licht-Zeremonien hilfreiche Antidote zur krampfhaft aktualisierenden, politisierenden, sich in Realismus verheddernden Opernbühne. Bei «Pelléas et Mélisande» und beim «Parsifal» klappte das besser als beim «Ring» oder bei «Aida». Doch Robert Wilsons Ästhetik hat sich überlebt. Das liegt, soweit es die Oper betrifft, vor allem daran,...
