Hart am Bewältigungskitsch
Gefängnisse waren in der Operngeschichte immer Stellwerke zwischen Leben und Tod. Wir wurden der Dunkelheiten in «Fidelio» gewahr, sahen die trügerischen Sterne über der Engelsburg in «Tosca», tauchten ein ins fahle Freiheitslicht in Janáceks «Totenhaus», ins Straflager von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk», in die Alpträume von Dallapiccolas «Il prigioniero» (Der Gefangene). Hinterher brach trotzdem stets froher Jubel aus, weil auch das schlimmste Operngefängnis leicht als Fiktion zu erkennen war.
Bei einer Oper über das Konzentrationslager Auschwitz liegt die Sache anders. Dieses KZ war kein pittoreskes Verlies, sondern eine reale, singuläre Schlachtbank; Auschwitz war das monströse Totenhaus deutscher Geschichte. Was da geschah, mutet noch heute derart unfassbar an, dass allein die Erwähnung des Ortsnamens eine schier mythische Blendkraft besitzt. Theodor W. Adorno hielt nach Auschwitz jede lyrische Betätigung und den Versuch für undenkbar, der Perversionen der Nazis mit den Mitteln der Kunst Herr zu werden. Jedenfalls hat es bis heute keine Oper über Auschwitz gegeben.
Nun kommt der siebenundiverzigjährige Bochumer Komponist Stefan Heucke und nähert sich Auschwitz über ...
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Seine Aufführungen von Otello, Peter Grimes, Tristan, Parsifal, Don José, Canio, Laca, Hermann, Don Alvaro, Samson (von Händel wie von Saint-Saëns) und Florestan haben bei Tausenden von Opernenthusiasten unauslöschlichen Eindruck hinterlassen – sowohl wegen der überwältigenden Intensität der Darstellung als auch wegen der hypnotischen Ausdrucksvielfalt seines...
Eigentlich hatte Markus Stenz ideale Bedingungen, um der Kölschen Wagner-Gemeinde zu zeigen, was eine echte «Lohengrin»-Harke ist. Das singende Personal stand meist reglos auf der Bühne herum, die Augen strikt auf den Maestro und ins Auditorium gerichtet: Elsa, das blonde, blütenweiß drapierte Burgfräulein; Lohengrin, der nett frisierte Silberritter aus dem...
Nicht eben einfach, dieser Weg zur Kunst. Wer weder Glück noch vertieftes Orientierungsgefühl besitzt, der wird es vermutlich schwer haben, das neue Glanzstück zu finden, das wie eine Fata Morgana unweit des Dresdner Flughafens inmitten einer somnambulen Gartenstadt auftaucht. Für einen Moment hat man das Gefühl, diese Abgeschiedenheit sei vielleicht gewollt,...
